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Hundeernährung

Häufig gestellte Fragen

Wissenschaftliche Antworten basierend auf AAFCO 2023, WSAVA 2022 und NRC 2006 Standards, erstellt von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK

36 Fragen Tierarzt geprüft
Was finden Sie auf dieser Seite? Klare Antworten auf die häufigsten Fütterungsfragen von Hundebesitzern, basierend auf aktueller wissenschaftlicher Literatur.

Für erwachsene Hunde sind 2 Mahlzeiten pro Tag (morgens und abends) der Standard. Welpen bis zum Alter von 6 Monaten benötigen in der Regel 3-4 Mahlzeiten täglich. Bei Welpen großer Rassen sind meist 3 Mahlzeiten sinnvoll, da eine einzelne große Mahlzeit das Risiko für eine Magendrehung (GDV) erhöhen kann. Senioren und Hunde mit empfindlicher Verdauung profitieren ebenfalls oft von 2-3 kleineren Mahlzeiten. Ad-libitum-Fütterung (ständig gefüllter Napf) erhöht das Risiko für Übergewicht deutlich.

Ja. Es gibt ernährungsphysiologisch wichtige Unterschiede. Large-Breed-Futter hat meist eine geringere Energiedichte zur Vorbeugung von Übergewicht, ein kontrolliertes Kalzium-Phosphor-Verhältnis für die Skelettentwicklung und enthält häufig auch Glucosamin und Chondroitin. Bei Welpen großer Rassen sollte der Kalziumgehalt idealerweise bei 1,2-1,8 % in der Trockenmasse liegen. Zu hohe Kalziumgehalte können Entwicklungsstörungen des Skeletts begünstigen. Die NRC-Empfehlungen von 2006 unterstützen klar eine angepasste Wachstumsfütterung für große Rassen.

Das ist umstritten und sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Befürworter der BARF-Fütterung (Biologically Appropriate Raw Food) betonen die Natürlichkeit dieser Ernährungsform. AVMA, WSAVA und AAFCO haben jedoch offizielle Warnungen zur Rohfütterung veröffentlicht. Zu den wichtigsten Risiken gehören Infektionen mit Salmonellen, E. coli, Listerien und Toxoplasmen sowohl für den Hund als auch für den Halter sowie ein hohes Risiko für Nährstoffungleichgewichte. Mehr als 60 % der hausgemachten BARF-Rationen sind unvollständig oder unausgewogen (WSAVA 2022). Wenn roh gefüttert wird, sollte dies nur unter Anleitung eines tierärztlichen Ernährungsberaters erfolgen.

Getreidefreies Futter ist nicht automatisch besser. In den Jahren 2018-2019 untersuchte die FDA einen möglichen Zusammenhang zwischen getreidefreien Futtermitteln, insbesondere mit hohem Erbsen- oder Linsenanteil, und der dilatativen Kardiomyopathie (DCM) beim Hund. Problematisch scheint nicht das Getreide selbst zu sein, sondern eher der hohe Anteil an Hülsenfrüchten in manchen Rezepturen. Eine echte Getreideallergie ist bei Hunden selten und betrifft etwa 1-2 %. Besteht kein begründeter Allergieverdacht, ist ein ausgewogenes, getreidehaltiges Futter eine gute Wahl. Wenn getreidefrei gefüttert wird, sollte der Hülsenfruchtanteil möglichst niedrig sein.

Auf keinen Fall gegeben werden sollten Schokolade (Theobromin-Toxizität mit Herz- und Nervensystembeteiligung), Weintrauben und Rosinen (mit Nierenversagen assoziiert), Zwiebeln, Knoblauch und Lauch (thiosulfatbedingte hämolytische Anämie), Xylit (schwere Hypoglykämie und Leberversagen), Avocado (Persin-Toxizität), roher Hefeteig und Alkohol sowie Macadamianüsse. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ist sofort tierärztliche Hilfe erforderlich.

Nach den AAFCO-Regeln werden Zutaten in absteigender Reihenfolge nach Gewicht aufgeführt. Die ersten 3 Zutaten machen daher einen wesentlichen Teil der Rezeptur aus. Idealerweise sollte an erster Stelle eine klar benannte tierische Proteinquelle stehen, etwa Huhn, Lachs oder Lamm, und keine ungenaue Angabe wie „Fleisch“ oder „Geflügel“. Wichtig ist auch: „Frisches Huhn“ enthält viel Wasser und verliert nach der Verarbeitung an Gewicht, während „Hühnermehl“ eine konzentriertere Proteinquelle darstellt. Das VetScore-System von VetKriter bewertet diese Reihenfolge objektiv.

Das hängt von der Rassegröße ab. Kleine Rassen (< 10 kg): 9-12 Monate. Mittlere Rassen (10-25 kg): etwa 12 Monate. Große Rassen (25-45 kg): 12-18 Monate. Riesenrassen (> 45 kg): 18-24 Monate. Eine zu lange Fütterung mit Welpenfutter kann Übergewicht fördern. Die Umstellung sollte schrittweise über 7-14 Tage erfolgen: zunächst 25 % neues Futter, dann 50 %, dann 75 % und erst danach vollständig umstellen.

Hunde gelten im Allgemeinen ab 8-9 Jahren bei kleinen Rassen und ab 6-7 Jahren bei großen Rassen als Senioren. Seniorfutter ist meist energieärmer, weil der Stoffwechsel langsamer wird, sollte aber weiterhin hochwertiges Protein zur Erhaltung der Muskelmasse liefern. Eine Proteineinschränkung ist bei älteren Hunden ohne spezielle Erkrankung meist nicht sinnvoll. Omega-3-Fettsäuren unterstützen Gelenke und kognitive Funktionen, und ein niedrigerer Natriumgehalt kann bei Herzerkrankungen hilfreich sein. Bei Nierenerkrankungen kann eine Phosphorrestriktion notwendig sein, was tierärztlich begleitet werden sollte.

Nach AAFCO 2023 liegt der Mindestgehalt an Rohprotein für erwachsene Hunde bei 18 % in der Trockensubstanz, für Welpen bei mindestens 22 %. Diese Werte stellen Mindestanforderungen dar, nicht unbedingt optimale Zielwerte. Für aktive oder arbeitende Hunde sind Proteinwerte um 25-30 % oft besser geeignet. Auch die Proteinquelle ist entscheidend: tierische Proteine aus Huhn, Pute, Rind oder Fisch sind in der Regel besser bioverfügbar als pflanzliche Quellen. Wichtig ist außerdem ein ausgewogenes Aminosäureprofil, insbesondere bei Lysin, Methionin und Cystein.

AAFCO 2023 empfiehlt für erwachsene Hunde mindestens 5,5 % Rohfett in der Trockensubstanz, für Welpen mindestens 8,5 %. Fett ist eine wichtige konzentrierte Energiequelle und notwendig für die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Linolsäure (Omega-6) ist für Hunde essenziell. Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA sind wichtig für Gehirn, Augen, Haut und Gelenke. Bei sehr aktiven Hunden kann ein Fettgehalt von 15-20 % sinnvoll sein.

AAFCO definiert für Hunde keinen Mindestbedarf an Kohlenhydraten, da Hunde Glukose über die Glukoneogenese selbst bilden können. In handelsüblichen Trockenfuttern liegt der Kohlenhydratanteil häufig bei 30-60 %. Sehr hohe Kohlenhydratmengen können zu Übergewicht beitragen und bei entsprechend veranlagten Hunden das Diabetesmanagement erschweren. Gleichzeitig können Kohlenhydrate für aktive Hunde eine sinnvolle Energiequelle sein. Der Kohlenhydratanteil steht meist nicht direkt auf dem Etikett und wird rechnerisch ermittelt: 100 - (Protein% + Fett% + Feuchtigkeit% + Asche% + Faser%) = Kohlenhydrate%.

Nein. „Nebenprodukt“ bedeutet nicht automatisch schlechte Qualität. Nach der AAFCO-Definition können Nebenprodukte Organe wie Leber, Nieren, Herz und Lunge umfassen. Diese Gewebe liefern oft sehr gut verfügbares Protein, Vitamin B12 und Eisen. Eine klar benannte Zutat wie „Hühnernebenproduktmehl“ ist deutlich akzeptabler als eine ungenaue Deklaration wie „Fleischnebenprodukt“. Das VetScore-System von VetKriter bewertet solche Zutaten objektiv und nicht nur nach Marketingbegriffen.

Eine plötzliche Futterumstellung kann Verdauungsprobleme wie Durchfall, Erbrechen und Appetitmangel verursachen. Ein Standard-Übergangsplan über 7-10 Tage ist für die meisten Hunde geeignet: an Tag 1-2 75 % altes und 25 % neues Futter, an Tag 3-4 je 50 %, an Tag 5-6 25 % altes und 75 % neues Futter und danach vollständig umstellen. Bei Hunden mit empfindlicher Verdauung kann die Umstellung auf 2-3 Wochen verlängert werden. Wenn während der Futterumstellung anhaltende Magen-Darm-Probleme auftreten, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Etwa 25-40 % der Hunde sind übergewichtig oder adipös. Auf der Body-Condition-Score-Skala gelten Werte von 6-9/9 als übermäßige Körperkondition. Management: den täglichen Kalorienbedarf anhand des Idealgewichts berechnen, ein proteinreicheres und fettärmeres Futter wählen, die Portionen genau kontrollieren und die tägliche Bewegung steigern. Ein sinnvolles Ziel sind 1-2 % Gewichtsverlust pro Woche. Zu rascher Gewichtsverlust kann den Muskelabbau fördern. Am besten erfolgt die Gewichtsreduktion unter tierärztlicher Begleitung.

Unbedingt zu vermeiden sind: Schokolade und Kakao wegen Theobromin-Toxizität, Weintrauben und Rosinen wegen des Risikos einer Nierenschädigung, Zwiebeln, Knoblauch und Lauch wegen möglicher hämolytischer Anämie, Xylit wegen schwerer Hypoglykämie und Leberversagen, Avocado wegen Persin-Toxizität, Macadamianüsse wegen neurologischer Symptome, Alkohol wegen zentralnervöser Dämpfung, roher Hefeteig wegen Alkoholbildung und Koffein wegen Tachykardie und Krampfanfällen. Bei jedem Verdacht auf Aufnahme ist sofort tierärztlicher Rat nötig.

Das Darmmikrobiom ist für die Gesundheit des Hundes von großer Bedeutung. Präbiotika wie FOS, MOS und Inulin dienen nützlichen Darmbakterien als Nährstoffquelle und unterstützen die Darmfunktion. Probiotika wie Enterococcus faecium oder Lactobacillus acidophilus können das Immungleichgewicht unterstützen und bei manchen Hunden das Risiko für Durchfall senken. Nach Antibiotikagaben oder in Stressphasen wird der Einsatz von Probiotika häufig erwogen. Wichtig ist, nur für Hunde geeignete und qualitativ abgesicherte Stämme zu verwenden.

Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 ist wichtig, weil es das Entzündungsgleichgewicht im Körper beeinflusst. Eine hohe Omega-6-Zufuhr kann eher proinflammatorisch wirken, während Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA entzündungshemmende Effekte haben. Ein praktikabler Zielbereich liegt häufig bei 5:1 bis 10:1 (Omega-6:Omega-3). Hunde können zwar einen Teil von ALA in EPA und DHA umwandeln, diese Umwandlung ist aber begrenzt, weshalb direkte marine Quellen wie Fischöl meist wirksamer sind. Omega-3 kann Haut, Gelenke und Gehirnfunktion sinnvoll unterstützen.

Diese Begriffe stellen keine rechtlich klar definierten Qualitätsgarantien dar. Vor allem „holistic“ ist unter AAFCO kein geregelter Ernährungsstandard und wird überwiegend als Marketingbegriff verwendet. Verlässlichere Qualitätsindikatoren sind eine AAFCO-Angabe „complete and balanced“, eine transparente Zutatenliste, eine klar benannte tierische Proteinquelle weit oben in der Deklaration, Herstellertransparenz und Daten aus Fütterungsversuchen. Das VetScore-System von VetKriter bewertet diese aussagekräftigeren Kriterien.

Oft ist das sinnvoll. Nach der Kastration kann der Stoffwechsel um 15-25 % sinken, wodurch das Risiko einer Gewichtszunahme steigt. Futter für kastrierte Hunde hat meist eine geringere Energiedichte sowie ein proteinreicheres und fettärmeres Profil. Wird nach der Kastration weiterhin ein normales Futter gegeben, muss die Portion häufig um 20-25 % reduziert werden. Besonders in den ersten 6 Monaten nach dem Eingriff sollte das Gewicht engmaschig kontrolliert und der Body-Condition-Score regelmäßig beurteilt werden.

Selbst zubereitetes Hundefutter kann gesund sein, wenn es korrekt formuliert ist, aber genau das ist schwierig. Studien zeigen, dass etwa 95 % der hausgemachten Rezepte mindestens einen relevanten Nährstoffmangel aufweisen. Häufig fehlen Kalzium, Vitamin D, Jod, Zink, Kupfer und Omega-3-Fettsäuren. Wenn eine hausgemachte Ration gefüttert wird, sollte sie idealerweise gemeinsam mit einem tierärztlichen Ernährungsberater erstellt und regelmäßig kontrolliert werden. Nur Fleisch zu füttern ist ernährungsphysiologisch eindeutig unzureichend.

Glucosamin und Chondroitin sind Bausteine des Knorpelgewebes. Mögliche Vorteile: Unterstützung des Gelenkknorpels, Verringerung klinischer Arthrosezeichen, Unterstützung beim Management der Hüftdysplasie bei großen Hunden sowie Verbesserung von Komfort und Beweglichkeit älterer Hunde. Die Studienlage ist gemischt; einige Arbeiten zeigen Vorteile, andere nur begrenzte Effekte. Häufig werden sie in Futtermitteln oder Ergänzungen für Welpen großer Rassen und Seniorhunde eingesetzt.

L-Carnitin ist eine aminosäureähnliche Verbindung, die den Transport von Fettsäuren in die Mitochondrien unterstützt. Mögliche Vorteile: Unterstützung des Fettstoffwechsels und des Gewichtsmanagements bei übergewichtigen Hunden, Erhalt der Muskelmasse und Unterstützung der Herzmuskelfunktion. Es wird teilweise auch im Ernährungsmanagement der dilatativen Kardiomyopathie (DCM) eingesetzt. Hunde können L-Carnitin selbst synthetisieren, doch bei manchen großen Rassen oder bestimmten Erkrankungen reicht diese Synthese möglicherweise nicht aus. Eine Supplementierung kann bei ausgewählten adipösen, herzkranken oder großen Hunden sinnvoll sein.

Kalzium und Phosphor sind für die Skelettgesundheit essenziell. Das ideale Kalzium-Phosphor-Verhältnis liegt im Allgemeinen zwischen 1:1 und 2:1. Bei Welpen großer Rassen ist die Kalziumzufuhr besonders kritisch; in der Trockensubstanz sollte sie meist bei 1,2-1,8 % liegen, da ein Überschuss Entwicklungsstörungen des Skeletts begünstigen kann. Eine reine Fleischfütterung stört dieses Verhältnis, weil Fleisch viel Phosphor und vergleichsweise wenig Kalzium enthält. Die AAFCO-Mindestwerte 2023 für erwachsene Hunde liegen bei 0,5 % Kalzium und 0,4 % Phosphor in der Trockensubstanz.

Diabetes beim Hund ist in der Regel insulinabhängig und ähnelt eher dem Typ-1-Diabetes. Die Ernährung eines diabetischen Hundes umfasst meist einen höheren Fasergehalt zur Verringerung von Blutzuckerschwankungen, Kohlenhydrate mit niedrigem bis mittlerem glykämischem Effekt, eine strikte Fütterungszeit abgestimmt auf die Insulininjektionen sowie eine konstante tägliche Kalorienzufuhr. Bei Übergewicht ist eine kontrollierte Gewichtsreduktion wichtig. Fütterungsplan und Insulintherapie sollten immer tierärztlich begleitet und regelmäßig durch Blutzuckerkontrollen überwacht werden.

Die chronische Nierenerkrankung (CKD) ist bei älteren Hunden häufig. Ernährungsziele: Eine Phosphorrestriktion ist die wichtigste diätetische Maßnahme, um das Fortschreiten zu verlangsamen. In den IRIS-Stadien 1-2 ist eine Proteineinschränkung umstritten, in den Stadien 3-4 wird meist eine moderate Restriktion empfohlen. Eine höhere Wasseraufnahme ist hilfreich, daher wird häufig Nassfutter bevorzugt. Bei Hypertonie kann eine Natriumrestriktion sinnvoll sein, und Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA können die renale Entzündung verringern. Nierendiäten sind auf diese Anforderungen abgestimmt.

Hunde können nur begrenzt Vitamin D über Sonnenlicht bilden, daher bleibt die Zufuhr über das Futter notwendig. AAFCO 2023 nennt einen Mindestwert von 500 IU/kg in der Trockensubstanz. Tierische Zutaten wie Lebertran oder Eigelb sind gute Vitamin-D-Quellen. Ein Mangel kann zu Skeletterkrankungen, Immunschwäche und Muskelschwäche beitragen, während ein Überschuss Hyperkalzämie und Nierenschäden verursachen kann. Ein ausgewogenes kommerzielles Futter sollte Vitamin D in sicherer und bedarfsgerechter Menge liefern.

Zink ist ein essenzieller Mineralstoff für Hunde. Anzeichen eines Mangels: Hautveränderungen, insbesondere eine zinkresponsive Dermatose bei prädisponierten Rassen wie Siberian Huskies und Alaskan Malamutes, Haarausfall oder schlechte Fellqualität, Wachstumsverzögerung, verminderte Immunität und Appetitmangel. Phytatreiche Rationen können die Zinkaufnahme verringern. AAFCO 2023 nennt einen Mindestwert von 80 mg/kg in der Trockensubstanz. Eine Zinksupplementierung sollte tierärztlich begleitet werden, da auch ein Überschuss problematisch sein kann.

Die Angabe „complete and balanced“ bedeutet, dass das Futter alle Nährstoffbedürfnisse allein decken soll. Nach AAFCO-Standards kann dies auf zwei Arten belegt werden: 1) durch Formulierung, bei der das Nährstoffprofil die veröffentlichten Zielwerte erfüllt, oder 2) durch Fütterungsversuche, bei denen das Futter an lebenden Tieren geprüft wurde, was im Allgemeinen als aussagekräftiger gilt. Ist ein Futter nur als ergänzend deklariert, reicht es als alleinige Ration ernährungsphysiologisch nicht aus.

Weniger erwünschte Zusatzstoffe sind häufig: synthetische Antioxidantien wie BHA (E320) und BHT (E321) sowie Ethoxyquin, das historisch zur Stabilisierung von Fetten wie Fischöl eingesetzt wurde. Künstliche Farbstoffe wie Red 40 oder Yellow 5/6 bringen keinen ernährungsphysiologischen Nutzen und können bei empfindlichen Tieren problematisch sein. Propylenglykol ist im Hundefutter meist kein Standardproblem, eine hohe Exposition ist aber nicht wünschenswert. Bevorzugt werden natürliche Konservierungsstoffe wie Tocopherole (Vitamin E), Ascorbinsäure (Vitamin C) und Rosmarinextrakt.

Eine Futtermittelallergie betrifft etwa 1-2 % der Hunde. Typische Anzeichen: chronischer Juckreiz, besonders an Ohren, Pfoten und Leistenregion, wiederkehrende Ohrentzündungen, Magen-Darm-Symptome wie chronischer Durchfall oder Erbrechen sowie Hautrötungen oder Läsionen. Diagnose: Goldstandard ist eine 8-12-wöchige Eliminationsdiät mit neuartigem Protein und neuartiger Kohlenhydratquelle oder mit hydrolysiertem Protein. Bluttests gelten für die Diagnostik als nicht zuverlässig. Häufige Auslöser sind Rind, Milchprodukte, Huhn und Weizen.

Ja, die Stärkequelle kann eine Rolle spielen. Reis ist meist sehr gut verdaulich und wird oft gut vertragen. Kartoffel ist glutenfrei und hat einen mittleren glykämischen Effekt, steht bei sehr hohem Einsatz aber im Zusammenhang mit DCM-Diskussionen. Mais ist ebenfalls gut verdaulich und für die meisten Hunde eine brauchbare Energiequelle mit relativ niedrigem allergenen Potenzial. Weizen enthält Gluten und ist für manche empfindliche Hunde weniger geeignet. Erbsen und Linsen wurden in der FDA-DCM-Diskussion vor allem bei sehr hohen Anteilen thematisiert. Entscheidend ist insgesamt die Balance und Qualität der Formulierung.

Im Gegensatz zur Katze können Hunde Taurin aus Methionin und Cystein selbst synthetisieren, daher ist Taurin nicht immer strikt essenziell. Unter bestimmten Umständen kann diese Synthese jedoch unzureichend sein, etwa bei proteinarmen Rationen, manchen getreidefreien oder hülsenfruchtreichen Futtern und bei bestimmten großen Rassen. Im Rahmen der FDA-DCM-Untersuchung 2018-2019 wurde Taurinmangel als möglicher Mechanismus in einigen diätassoziierten Fällen diskutiert. Der Tauringehalt ist deshalb besonders bei großen Rassen und bei DCM-gefährdeten Hunden relevant.

Hunde können Beta-Carotin in Vitamin A umwandeln, diese Umwandlung ist jedoch nicht besonders effizient. Deshalb sind direkte tierische Vitamin-A-Quellen wie Leber oder Fischöl ernährungsphysiologisch oft wertvoll. AAFCO 2023 nennt einen Mindestwert von 5000 IU/kg in der Trockensubstanz. Ein Vitamin-A-Mangel kann zu Nachtblindheit, Hautproblemen, Fortpflanzungsstörungen und einer geschwächten Immunabwehr beitragen. Eine übermäßige Aufnahme kann dagegen zu Hypervitaminose A mit Skelett- und Leberschäden führen. Ein ausgewogenes kommerzielles Futter ist so formuliert, dass es in einem geeigneten Bereich bleibt.

Arbeitende Hunde wie Hütehunde, Sporthunde oder Such- und Rettungshunde haben einen sehr hohen Energiebedarf. Ernährungsprinzipien: ein höherer Fettgehalt, oft etwa 20-30 %, da Fett der effizienteste Brennstoff für Ausdauerarbeit ist; ein höherer Proteingehalt, oft etwa 28-35 %, zur Erhaltung und Regeneration der Muskulatur; sowie moderate Kohlenhydratmengen zur Unterstützung kurzer intensiver Belastungen. Die Fütterung erfolgt idealerweise 2-3 Stunden vor der Arbeit, mit Proteinaufnahme kurz nach der Belastung. Ausreichende Hydration ist essenziell, und bei längerer starker Belastung kann auch eine Elektrolytunterstützung sinnvoll sein.

Vitamin E (Tocopherol) ist ein starkes Antioxidans und zugleich ein wichtiger Nährstoff. Vorteile: Es schützt Zellmembranen vor oxidativen Schäden, unterstützt das Immunsystem, hilft bei der Erhaltung von Haut und Fell und schützt Omega-3-Fettsäuren vor Oxidation. AAFCO 2023 nennt einen Mindestwert von 50 IU/kg in der Trockensubstanz. Futtermittel mit höherem Fettgehalt benötigen in der Regel auch mehr Vitamin E für eine ausreichende oxidative Stabilität. Natürliche Tocopherole werden meist synthetischen Antioxidanssystemen vorgezogen, sofern die Gesamtformulierung stimmt.

Jod ist für die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 erforderlich. Anzeichen eines Mangels: hypothyreoseähnliche Veränderungen wie Gewichtszunahme, Trägheit, Haarausfall und Kälteintoleranz, Kropfbildung, Wachstumsstörungen bei Welpen sowie Fortpflanzungsprobleme. Jodmangel tritt häufiger bei unausgewogenen hausgemachten Rationen auf. AAFCO 2023 nennt einen Mindestwert von 1,0 mg/kg in der Trockensubstanz. Ausgewogene kommerzielle Futtermittel decken diesen Bedarf, und wichtig ist auch: Ein Jodüberschuss kann ebenfalls Schilddrüsenprobleme fördern.

Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK
Tierarzt & Zootechnik-Spezialist

Alle Antworten auf dieser Seite basieren auf AAFCO 2023, WSAVA 2022 und NRC 2006 Standards und aktueller wissenschaftlicher Literatur.

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