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Kleinwiederkäuer

Häufig gestellte Fragen

Wissenschaftliche Antworten basierend auf NRC 2007 (Schaf & Ziege) Standards, erstellt von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK

29 Fragen NRC 2007 Standards
Was finden Sie auf dieser Seite? Wissenschaftliche Antworten nach NRC 2007-Standards auf die häufigsten Rations-, Gesundheits- und Managementfragen von Schaf- und Ziegenhaltern.

Die Trockenmasseaufnahme liegt bei Schafen und Ziegen in der Regel bei 3-4% des Körpergewichts. Schaf (60 kg): 1,8-2,4 kg Trockenmasse/Tag. Ziege (50 kg): 1,5-2,0 kg Trockenmasse/Tag. In den letzten 6 Trächtigkeitswochen steigt der Energiebedarf um 50-70%; eine Unterversorgung in dieser Zeit erhöht das Risiko einer Trächtigkeitstoxikose. In der Laktation steigt die Trockenmasseaufnahme um etwa 20-30%. NRC 2007 für kleine Wiederkäuer liefert dazu detaillierte Bedarfswerte je nach Körpergewicht und physiologischem Stadium. Die VetKriter-Rationsrechner für Schafe und Ziegen berechnen diese Werte automatisch.

Die Trächtigkeitstoxikose ist eine Stoffwechselstörung, die kurz vor der Geburt infolge einer negativen Energiebilanz entsteht. Besonders hoch ist das Risiko bei Tieren mit Zwillings- oder Drillingsgravidität; bei Zwillingen liegt die Prävalenz etwa bei 15-20%. Typische Symptome sind Inappetenz, Absonderung von der Herde, Koordinationsstörungen und Bewusstseinstrübung. Zur Vorbeugung gehören: 1) Energieergänzung in den letzten 6 Trächtigkeitswochen, zum Beispiel Propylenglykol 50-100 mL/Tag, 2) BCS-Kontrolle mit einem Ziel von 2,5-3,5 zum Ablammen bzw. Abkitzen, 3) bessere Grundfutterqualität und 4) Reduktion von Stress. Unbehandelt kann die Sterblichkeit bis zu 80% betragen.

Auch wenn Schafe und Ziegen ähnlich aussehen, unterscheiden sie sich in Fressverhalten und Nährstoffbedarf. Ziegen: sind selektivere Browser und bevorzugen Blätter, Sträucher und Gehölze. Ihr Kupferbedarf ist 3-4-mal höher als der von Schafen; deshalb dürfen Schaf-Mineralfutter nicht für Ziegen verwendet werden. Kupferarme Schafmischungen können bei Ziegen zu Mangel führen. Zudem benötigen Ziegen meist eine etwas höhere Energiedichte. Schafe: sind eher Weidetiere, vertragen strukturreiches Futter besser, reagieren jedoch sehr empfindlich auf Kupfertoxikosen. Daher dürfen Ziegen-Mineralfutter nie an Schafe verfüttert werden.

Kolostrummanagement ist rund um Ablammung und Abkitzen entscheidend. Innerhalb der ersten 6 Stunden sollte das Neugeborene etwa 10% seines Körpergewichts an Kolostrum aufnehmen (zum Beispiel ein 4 kg schweres Lamm etwa 400 mL). Der IgG-Gehalt des Kolostrums sollte >50 mg/mL betragen. Produziert das Muttertier nicht genügend Kolostrum, kann tiefgefrorenes Kolostrum oder ein geeigneter Ersatz verwendet werden. Das Jungtier sollte innerhalb von 30 Minuten nach der Geburt zu saugen beginnen. Beim Muttertier verbessert eine gezielte Energie- und Proteinversorgung zu Laktationsbeginn die Milchleistung.

Der BCS bei kleinen Wiederkäuern wird auf einer Skala von 1 bis 5 beurteilt (1 = sehr mager, 5 = adipös). Zielwerte: vor der Belegung 3,0-3,5, mittlere Trächtigkeit 2,5-3,0, zur Geburt 2,5-3,5, frühe Laktation 2,0-2,5, da ein gewisser Verlust durch negative Energiebilanz normal ist, und zum Absetzen 2,5-3,0. Ein BCS <2,0 weist auf Unterversorgung und schwächere Fruchtbarkeit hin. Ein BCS >4,0 erhöht das Risiko für Verfettung, Schwergeburten und Trächtigkeitstoxikose. Beim Schaf wird der BCS vor allem über die Lendenwirbel palpatorisch beurteilt.

NDF (Neutral Detergent Fiber) ist für die Pansengesundheit unverzichtbar. Nach NRC 2007 sollten Schafrationen in der Regel mindestens 25-30% NDF in der Trockenmasse enthalten, Ziegenrationen 30-35%. Sinkt der NDF-Gehalt unter 20%, steigt das Risiko einer Pansenazidose. NDF aus langfaserigem Grundfutter ist wertvoller als NDF aus Kraftfutter, da sie im Pansen besser puffert. Bei stärkereichen Rationen kann Natriumbicarbonat (10-15 g/Tag) als Puffer eingesetzt werden. In silagebetonten Rationen verbessert zusätzliches trockenes Grundfutter wie Heu oder Stroh die Faserwirksamkeit.

Innere Parasiten, insbesondere Haemonchus contortus, gehören zu den wichtigsten Gesundheitsproblemen in der Schaf- und Ziegenhaltung. Mithilfe des FAMACHA-Scores wird die Bindehautfarbe beurteilt, um eine gezielte Behandlung zu entscheiden (1-2 normal, 4-5 sprechen für Anämie und Behandlungsbedarf). Gezielte selektive Entwurmung bedeutet, nicht die gesamte Herde, sondern nur behandlungsbedürftige Tiere zu entwurmen, was die Resistenzentwicklung verlangsamt. Rotationsweiden können den Parasitendruck verringern. Auch der Wechsel zwischen Wirkstoffgruppen wie Benzimidazolen, makrozyklischen Laktonen und Levamisol ist für das Resistenzmanagement wichtig.

Die Milchleistung hängt von Genetik, Fütterung und Management ab. Fütterungsstrategien sind eine höhere Energiedichte zu Laktationsbeginn, der gezielte Einsatz von Bypass-Protein, ein Calcium-Phosphor-Verhältnis von etwa 2:1 sowie Vitamin E und Selen zur Unterstützung der Eutergesundheit. Management umfasst regelmäßiges Melken, meist zweimal täglich, Stressreduktion und saubere Haltungsbedingungen. Genetik spielt ebenfalls eine große Rolle: leistungsstarke Rassen wie Saanen oder Lacaune sowie durchdachte Kreuzungsprogramme verbessern die Milchleistung. In der Türkei zeigen Saanen-Kreuzungen mit lokalen Ziegen oft gute Ergebnisse.

NRC 2007 gibt den Energiebedarf als metabolisierbare Energie (ME) an. Bei einem 60 kg schweren, nicht tragenden Schaf liegt der Erhaltungsbedarf bei etwa 7,5 MJ ME/Tag. In den letzten 6 Wochen einer Zwillingsgravidität steigt der Energiebedarf um etwa 70-100%. In der Laktation werden pro zusätzlichem Liter Milch etwa 2,5 MJ ME/Tag benötigt. Ein Energiemangel führt zu BCS-Verlust, Trächtigkeitstoxikose und geringerer Milchleistung; ein Überangebot begünstigt Adipositas und Schwergeburten. Die VetKriter-Rationsrechner für Schafe und Ziegen berechnen diese Werte automatisch.

NRC 2007 arbeitet mit dem System des metabolisierbaren Proteins (MP). Bei einem erwachsenen Schaf im Erhaltungsbedarf liegt der Bedarf bei etwa 60-80 g MP/Tag. In den letzten 6 Trächtigkeitswochen steigt er auf etwa 120-160 g MP/Tag. In der Laktation liegt der Bedarf meist bei 150-200 g MP/Tag. Der Rohproteingehalt der Ration sollte auf Trockenmassebasis in der Spätträchtigkeit etwa 14-16% und in der Laktation 16-18% betragen. Bypass-Protein kann in der Frühlaktation nützlich sein. Harnstoff sollte vorsichtig eingesetzt werden; Ziegen reagieren oft empfindlicher als Schafe.

Wichtige Mineralstoffe sind Calcium, Phosphor, Magnesium, Kupfer, Selen und Zink. Calcium liegt je nach physiologischem Status bei Schafen bei etwa 0,20-0,82% und bei Ziegen bei 0,21-0,97% der Trockenmasse. Phosphor liegt bei Schafen etwa bei 0,16-0,38% und bei Ziegen bei 0,16-0,42%. Magnesium liegt meist bei 0,12-0,18%. Ein wesentlicher Unterschied betrifft das Kupfer: Schafe benötigen etwa 7-11 mg/kg Trockenmasse und sind sehr toxikoseempfindlich, während Ziegen meist 10-20 mg/kg Trockenmasse benötigen. Selen liegt im Allgemeinen bei 0,1-0,2 mg/kg Trockenmasse, Zink bei etwa 20-33 mg/kg. Für Schafe und Ziegen sollten getrennte Mineralmischungen verwendet werden.

Schafe reagieren äußerst empfindlich auf Kupfertoxikosen. Kupfer lagert sich in der Leber ein und kann später eine akute hämolytische Krise auslösen. Häufige toxische Quellen sind Ziegenmineralfutter bei Schafen, Kupfersulfat zur Parasitenbehandlung, kupferreiche Düngung auf Weiden oder kupferhaltige Tränkesysteme. Klinische Anzeichen sind plötzliche hämolytische Anämie, Ikterus, dunkler Harn und plötzliche Todesfälle. Vorbeugung bedeutet, speziell kupferarme Schafmineralmischungen zu verwenden und niemals Ziegenmineralien an Schafe zu verfüttern. Schafmineralien sollten im Allgemeinen <10 mg/kg Trockenmasse Kupfer enthalten.

Die Fruchtbarkeit wird von Genetik, Fütterung und Management beeinflusst. Flushing bedeutet, die Energieaufnahme in den 2-3 Wochen vor der Belegung um etwa 20-30% zu erhöhen. Dadurch können Ovulationsrate und die Wahrscheinlichkeit von Zwillingen oder Drillingen steigen. Ein BCS von 3,0-3,5 wird in der Regel angestrebt. Das Lichtmanagement ist ebenfalls wichtig, da Schafe saisonal polyöstrisch sind und mit kürzer werdender Tageslänge im Herbst in Brunst kommen. Künstliches Licht oder der Bockeffekt können die Brunst synchronisieren. Auch Selen- und Vitamin-E-Supplemente können die Reproduktionsleistung unterstützen.

Enterotoxämie (Breinierenkrankheit) entsteht durch eine übermäßige Vermehrung von Clostridium perfringens Typ D. Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist ein abrupter Wechsel auf eine energiereiche Ration. Klinische Anzeichen können plötzliche Todesfälle, neurologische Symptome und Durchfall sein. Zur Vorbeugung gehören 1) Clostridienimpfung, oft zweimal jährlich und zusätzlich 4-6 Wochen vor der Geburt, 2) langsame Rationsumstellungen, 3) ausreichender Grundfutteranteil und 4) das Vermeiden übermäßiger Getreideaufnahme. Enterotoxämie ist in der Türkei weiterhin eine wichtige Todesursache in der Schaf- und Ziegenhaltung.

Mastitis ist in der Schaf- und Ziegenhaltung eine wichtige Ursache wirtschaftlicher Verluste. Häufige Erreger sind Staphylococcus aureus, Mannheimia haemolytica und Pasteurella multocida. Klinische Anzeichen sind Euterschwellung, Erwärmung, Schmerz und veränderte Milch. Subklinische Mastitis sollte in Betracht gezogen werden, wenn die somatische Zellzahl über 500.000 Zellen/mL liegt. Zur Vorbeugung gehören gute Melkhygiene, Zitzendippen nach dem Melken, Trockenstellbehandlung bei Bedarf sowie eine Unterstützung der Immunität durch Vitamin E und Selen. Chronische Fälle sollten in der Regel aus dem Bestand genommen werden.

Äußere Parasiten wie Zecken, Läuse, Räudemilben und Fliegen verursachen Stress, übertragen Krankheiten und führen zu wirtschaftlichen Verlusten. Schafräude (Psoroptes ovis) ist bei Schafen häufig und kann Quarantänemaßnahmen erfordern. Die Behandlung erfolgt oft mit Ivermectin oder Doramectin. Zecken können Theileria, Babesia und Anaplasma übertragen. Läuse treten besonders im Winter auf und mindern die Wollqualität. Fliegen erhöhen das Risiko einer Myiasis, besonders im Wundbereich. Regelmäßige Kontrollen und ein saisonaler Behandlungsplan sind wichtig.

Klauenfäule, verursacht durch Dichelobacter nodosus zusammen mit Fusobacterium necrophorum, ist eine wichtige Lahmheitsursache bei kleinen Wiederkäuern. Klinische Anzeichen sind starke Lahmheit, Gewebezerfall im Zwischenklauenspalt und übler Geruch. Das Management umfasst Klauenbäder mit 10% Zinksulfat oder 5% Formalin, regelmäßige Klauenpflege und Reinigung, bei Bedarf Antibiotika wie Penicillin oder Oxytetracyclin, verfügbare Impfprogramme sowie das Vermeiden nasser, schlammiger Böden. Chronische Fälle sollten in der Regel ausgesondert werden. Liegt die Lahmheitsprävalenz über 5%, ist eine Herdenmaßnahme erforderlich.

Kokzidiose durch Eimeria spp. kann vor allem bei jungen Tieren im Alter von 2-8 Wochen schwere Durchfälle und Todesfälle verursachen. Risikofaktoren sind Überbelegung, nasse Einstreu, Stress und unzureichende Kolostrumaufnahme. Klinische Anzeichen sind wässriger oder blutiger Durchfall, Gewichtsverlust und Todesfälle. Zur Vorbeugung gehören saubere und trockene Stallbedingungen, das Vermeiden von Überbelegung, ausreichende Kolostrumversorgung sowie bei hohem Risiko der Einsatz von Decoquinat oder Monensin. Auch Tränke- und Futterhygiene sind wichtig. Zur Behandlung können unter tierärztlicher Anleitung Toltrazuril oder Amprolium eingesetzt werden.

Die Trächtigkeitstoxikose erfordert eine sofortige Behandlung. Ein typisches Therapieschema kann Propylenglykol 50-100 mL oral 2-3-mal täglich über 5-7 Tage, langsam intravenös verabreichte 50%ige Glukose, Thiamin bei neurologischen Symptomen, Dexamethason zur Geburtseinleitung, wenn angezeigt, sowie gegebenenfalls einen Kaiserschnitt umfassen. Die Prognose ist bei früher Behandlung deutlich besser; die Besserungsrate liegt dann bei etwa 60-70%. Bei ausgeprägten neurologischen Symptomen ist die Prognose schlecht. Trotz Behandlung bleibt die Sterblichkeit hoch, weshalb Vorbeugung wirksamer ist als Therapie.

Atemwegserkrankungen durch Pasteurella, Mannheimia und Mycoplasma sind bei kleinen Wiederkäuern wichtige Todesursachen. Risikofaktoren sind plötzliche Wetterwechsel, Überbelegung, unzureichende Belüftung, Stress und mangelhafte Kolostrumversorgung. Klinische Anzeichen sind Husten, Nasenausfluss, Fieber und Atemnot. Zur Vorbeugung gehören Impfung, ausreichende Lüftung, Stressreduktion, Quarantäne für neu eingestellte Tiere und Früherkennung. Antibiotika wie Oxytetracyclin oder Florfenicol sollten nur unter tierärztlicher Anleitung eingesetzt werden.

Listeriose durch Listeria monocytogenes steht häufig mit der Verfütterung von minderwertiger Silage in Zusammenhang. Klinische Formen sind die neurologische Form (Enzephalitis) mit Kopfschiefhaltung, Kreisbewegungen und Gesichtslähmung, eine septikämische Form mit Abort oder Tod junger Tiere sowie eine okuläre Form mit Uveitis. Zur Vorbeugung gehören gute Silagequalität (pH < 4,5, saubere Fermentation), der Verzicht auf verdorbene Silage, gute Futterhygiene und Stressreduktion. Eine frühe hochdosierte Penicillintherapie kann versucht werden, die Prognose bleibt jedoch oft ungünstig, weshalb Vorbeugung entscheidend ist.

Die Futteranalyse ist ein grundlegendes Werkzeug für die Rationsoptimierung. Wichtige Parameter sind Trockenmasse, Rohprotein, NDF, ADF, Energie (ME oder NEL), Mineralstoffe wie Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Natrium, Kupfer, Zink und Selen sowie Mykotoxine und bei Silage der pH-Wert. Empfohlene Häufigkeit ist bei jeder neuen Futtercharge, bei Silage etwa alle 3 Monate und bei Änderungen der Weidebedingungen. Rationen ohne Analyse können zu Mangel- oder Überschussversorgungen führen. Die VetKriter-Rationsrechner für Schafe und Ziegen nutzen Analysedaten zur Optimierung der Fütterung.

Urolithiasis ist besonders bei männlichen Tieren wie Böcken, Widdern, Lämmern und Zicklein ein wichtiges Problem. Struvit- und Calciumcarbonatsteine gehören zu den häufigsten Formen. Risikofaktoren sind phosphorreiche und calciumarme Rationen, viel Getreide bei zu wenig Grundfutter sowie unzureichende Wasseraufnahme. Zur Vorbeugung sollte das Calcium-Phosphor-Verhältnis bei 2:1 bis 2,5:1 liegen, Ammoniumchlorid zur Harnansäuerung eingesetzt werden, Wasser jederzeit verfügbar sein, der Grundfutteranteil erhöht und gegebenenfalls Salz zur Förderung der Wasseraufnahme ergänzt werden.

Selenmangel ist in der Türkei häufig. Klinische Anzeichen sind Weißmuskelkrankheit bei Lämmern und Zicklein, Schwäche, Unfähigkeit zu stehen oder zu gehen, plötzliche Todesfälle, Nachgeburtsverhaltung, schwächere Immunität und verminderte Fruchtbarkeit. Zur Vorbeugung wird Selen meist mit 0,1-0,2 mg/kg Trockenmasse supplementiert. Organisches Selen wie Selenomethionin ist in der Regel besser bioverfügbar als anorganische Formen. Eine Injektion von Selen plus Vitamin E 4-6 Wochen vor der Geburt ist weit verbreitet. Selen kann jedoch auch toxisch sein; eine übermäßige Aufnahme sollte vermieden werden, Werte über 2 mg/kg Trockenmasse können gefährlich sein.

Ein strukturiertes Herdengesundheitsprogramm kann Krankheitskosten deutlich senken. Wichtige jährliche Bestandteile sind Impfungen (zum Beispiel Clostridien zweimal jährlich, Pasteurella-Mannheimia und je nach Region Foot Rot), Parasitenkontrolle mit FAMACHA-gestützter selektiver Behandlung, Selen- und Vitamin-E-Supplementierung vor der Geburt, BCS-Kontrollen zu Belegung, Trächtigkeitsmitte, Geburt und Absetzen, Klauenpflege zweimal jährlich, Reproduktionsüberwachung etwa durch Trächtigkeitsultraschall sowie eine genaue Dokumentation von Geburten, Verlusten, Behandlungen und Leistungsdaten.

Hitzestress verringert bei Schafen und Ziegen die Futteraufnahme, Milchleistung und Fruchtbarkeit. Folgen sind eine geringere Trockenmasseaufnahme, niedrigere Milchleistung, stille Brunst und vermehrte Embryonenverluste. Das Management umfasst Schattenbereiche (mindestens 2 m²/Tier), Ventilatoren oder Sprinkler, Fütterung in den kühleren Morgen- und Abendstunden, bei Bedarf eine höhere Energiedichte der Ration, Elektrolytsupplemente und eine großzügige Wasserversorgung. Die Wasseraufnahme kann bei Hitzestress um etwa 50% steigen. Bevorzugt werden hochverdauliche, qualitativ hochwertige Futtermittel.

Kolostrum ist die erste Immunitätsquelle des Neugeborenen. Wichtige Punkte sind die Gabe einer Kolostrummenge von etwa 10% des Körpergewichts innerhalb der ersten 6 Lebensstunden. Die IgG-Aufnahme sinkt nach 24 Stunden durch den Darmverschluss drastisch ab. Die Kolostrumqualität sollte idealerweise >50 mg/mL IgG betragen. Eine unzureichende Kolostrumversorgung erhöht die Neugeborenensterblichkeit und Krankheitsanfälligkeit. Praktisch wichtig sind das Zusammenlassen von Mutter und Jungtier nach der Geburt, Hilfestellung mit Spritze oder Flasche bei schwachem Saugreflex sowie das Einfrieren überschüssigen Kolostrums bei -20°C für bis zu 1 Jahr. Die Qualität kann mit einem Refraktometer beurteilt werden.

Das Weidemanagement ist sowohl für die Tiergesundheit als auch für die ökologische Nachhaltigkeit wichtig. Rotationsweide bedeutet, die Fläche in Parzellen einzuteilen, jede Parzelle etwa 7-10 Tage zu beweiden und anschließend 30-45 Tage ruhen zu lassen. Dadurch kann der Parasitendruck sinken und die Weideleistung steigen. Die Besatzdichte sollte so angepasst werden, dass Überweidung, Bodenerosion und Weideschäden vermieden werden. Saisonales Management ist ebenfalls wichtig: Im Frühjahr sollte nicht zu früh geweidet werden, um das Risiko von Weidetetanie zu reduzieren, im Herbst sollten Regenerationsphasen eingeplant werden, und im Winter ist oft eine Zusatzfütterung erforderlich.

Zeitpunkt und Methode des Absetzens beeinflussen sowohl die Jungtiere als auch die Muttertiere. Das übliche Absetzalter liegt bei Lämmern und Zicklein bei 60-90 Tagen, auch wenn in manchen Systemen ein frühes Absetzen um 45 Tage möglich ist. Ein zu frühes Absetzen kann das Wachstum beeinträchtigen, ein zu spätes Absetzen die Kondition der Mutter verschlechtern. Im Management sollte möglichst schrittweise vorgegangen werden, da abruptes Absetzen das Mastitisrisiko erhöht. Eine Reduktion der Energieaufnahme des Muttertiers etwa 1 Woche vor dem Absetzen kann hilfreich sein. Nach dem Absetzen sollten die Jungtiere hochwertiges Grund- und Kraftfutter erhalten und in einer vertrauten Umgebung bleiben, um Stress zu reduzieren.

Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK
Tierarzt & Zootechnik-Spezialist

Alle Antworten auf dieser Seite basieren auf NRC 2007 (Schaf & Ziege) und aktuellen Small Ruminant Research-Artikeln.

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