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Hundegesundheit
Nach WSAVA-, ABVP- und ACVIM-Standards — 29 Fragen
Nach der WSAVA-Leitlinie 2022 gehören zu den Kernimpfungen Staupe (CDV), Parvovirose (CPV-2) und Adenovirose (CAV), meist als DHPPi-Kombination. Das Schema ist in der Regel: erste Dosis in der 6.-8. Woche, zweite in der 10.-12. Woche und dritte in der 14.-16. Woche. Auffrischung im Erwachsenenalter: nach 1 Jahr, danach alle 3 Jahre. Die Tollwutimpfung ist in der Türkei gesetzlich vorgeschrieben. Nicht-Kernimpfungen wie Leptospirose (jährlich) und Bordetella werden je nach Risiko eingesetzt. Das Impfprogramm sollte immer individuell vom Tierarzt festgelegt werden.
Das canine Parvovirus (CPV-2) ist eine hoch ansteckende und potenziell tödliche Viruserkrankung. Bei ungeimpften Welpen kann die Sterblichkeit 50-90 % erreichen. Symptome: blutiger Durchfall, Erbrechen, Fieber, Leukozytenabfall und Dehydratation. Übertragung: über kontaminierten Kot und kontaminierte Oberflächen. Das Virus kann in der Umwelt bis zu 1 Jahr überleben. Behandlung: intensive supportive Therapie mit Infusionen, gegebenenfalls Antibiotika und Antiemetika. Vorbeugung: Die DHPPi-Impfung ist der wichtigste Kernschutz; ungeimpfte Welpen sollten von Risikoumgebungen ferngehalten werden.
Der ideale Zeitpunkt hängt von der Rassegröße ab. Kleine Rassen: etwa mit 6 Monaten. Große Rassen: häufig erst mit 12-18 Monaten, da eine frühe Kastration bei manchen Linien orthopädische Risiken erhöhen kann. Vorteile bei Hündinnen: Das Risiko für Mammatumoren sinkt deutlich, insbesondere vor der ersten Läufigkeit, und eine Pyometra wird verhindert. Vorteile bei Rüden: Hodentumoren werden verhindert, einige Prostataprobleme treten seltener auf, und Streunen oder Aggression können abnehmen. Mögliche Nachteile: Das Risiko für Übergewicht steigt, und bei bestimmten Rassen kann eine frühe Kastration mit Osteosarkom oder orthopädischen Problemen assoziiert sein.
Die Hüftdysplasie ist eine entwicklungsbedingte orthopädische Erkrankung, die durch eine abnorme Ausbildung des Hüftgelenks entsteht. Prädisponierte Rassen: Deutscher Schäferhund, Labrador, Golden Retriever, Rottweiler und Bulldogge. Symptome: Gangbildveränderungen, Hinterhandschwäche, verminderte Belastbarkeit und Schmerzen. Diagnose: Röntgenaufnahmen, häufig nach OFA- oder PennHIP-Schema. Konservative Behandlung: NSAIDs, Glucosamin/Chondroitin, Omega-3-Fettsäuren, Muskelaufbau und Gewichtskontrolle. Chirurgische Optionen: TPO, Femurkopfresektion oder Totalendoprothese. In Zuchtprogrammen sollten möglichst dysplasiefreie Elterntiere eingesetzt werden.
Zahnerkrankungen betreffen etwa 80 % der Hunde über 3 Jahren. Vorbeugung: Tägliches Zähneputzen ist die wirksamste Maßnahme. VOHC-zertifizierte Futtermittel, Zahnsnacks und Kauprodukte können zusätzlich helfen. Regelmäßige Mauluntersuchungen und bei Bedarf professionelle Zahnreinigungen werden empfohlen. Unbehandelte Parodontalerkrankungen können Herz, Nieren und Leber belasten.
Innere Parasiten wie Toxocara canis, Ancylostoma, Trichuris, Giardia und Echinococcus sind sowohl für den Hund als auch für den Menschen relevant. Typisches Entwurmungsschema: Welpen werden im Alter von 2, 4, 6 und 8 Wochen behandelt. Erwachsene Hunde werden in der Regel 2-4 Mal pro Jahr entwurmt, bei stärkerer Außenexposition oft alle 3 Monate. Wichtig: Echinococcus ist zoonotisch bedeutsam und in endemischen Regionen, auch in Teilen der Türkei, relevant. Eine Kotuntersuchung hilft bei der Auswahl der passenden Therapie.
Äußere Parasiten sind sowohl wegen des Unbehagens als auch als Krankheitsüberträger relevant. Flöhe: Flohallergiedermatitis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen beim Hund. Zecken: Sie können schwere Infektionen wie Babesiose und Ehrlichiose übertragen und sind auch in der Türkei epidemiologisch bedeutsam. Räudemilben: Vor allem die Sarkoptes-Räude kann auch den Menschen betreffen. Wirksame Kontrolle: regelmäßiger Einsatz von Spot-on-Präparaten, oralen Isoxazolinen oder antiparasitären Halsbändern sowie bei Bedarf Umweltbehandlung.
Zu den häufigsten Herzerkrankungen beim Hund gehören die myxomatöse Mitralklappenerkrankung (MMVD), besonders bei kleinen Rassen, und die dilatative Kardiomyopathie (DCM), die bei bestimmten großen Rassen häufiger vorkommt. Symptome: Husten, Atemnot, verminderte Belastbarkeit und Synkopen. Diagnostik: Echokardiographie, Thoraxröntgen, EKG und teilweise NT-proBNP. Behandlung: je nach Stadium mit Pimobendan, Furosemid und ACE-Hemmern. Die Prognose wird wesentlich von der Früherkennung beeinflusst.
Diabetes beim Hund ist meist insulinmangelbedingt und ähnelt eher dem Typ-1-Diabetes. Risikofaktoren: weibliches Geschlecht, mittleres Alter, Übergewicht, Pankreatitis und Morbus Cushing. Symptome: vermehrtes Harnen und Trinken, Gewichtsverlust, gesteigerter Appetit und Kataraktbildung. Behandlung: Insulintherapie, häufig zweimal täglich mit Präparaten wie NPH oder Caninsulin, kombiniert mit einer gleichmäßigen Ernährung mit moderatem bis höherem Faseranteil und komplexen Kohlenhydraten. Bei unkastrierten Hündinnen wird die Kastration empfohlen. Die Dosis wird anhand von Glukosekurven angepasst. Eine Remission ist beim Hund selten, daher ist meist eine lebenslange Insulintherapie notwendig.
Morbus Cushing ist eine endokrine Erkrankung, die durch eine übermäßige Cortisolproduktion entsteht. Symptome: vermehrtes Trinken und Harnen, gesteigerter Appetit, Hängebauch, Haarausfall, Muskelschwäche und dünne Haut. Ursachen: ein Hypophysentumor, ein Nebennierentumor oder ein iatrogener Hyperadrenokortizismus nach Kortikosteroidgabe. Diagnostik: erfolgt häufig mit Niedrigdosis-Dexamethason-Suppressionstest, Urin-Kortisol-Kreatinin-Quotient und bildgebender Diagnostik. Behandlung: Trilostan ist die häufigste medikamentöse Option; bei ausgewählten Nebennierenfällen kommt auch eine Operation infrage. Eine langfristige Verlaufskontrolle ist unerlässlich.
Epilepsie gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen beim Hund. Mögliche Ursachen: idiopathische Epilepsie, Hirntumoren, Infektionen oder Stoffwechselerkrankungen. Während eines Anfalls: den Hund vor Verletzungen schützen, nichts ins Maul legen und die Dauer dokumentieren. Ein Anfall von mehr als 5 Minuten Dauer ist ein Notfall. Behandlung: je nach Fall kommen Medikamente wie Phenobarbital, Levetiracetam oder Kaliumbromid zum Einsatz. Eine regelmäßige Verlaufskontrolle ist wichtig.
Übergewicht betrifft etwa 25-40 % der Hunde. Risiken: Diabetes, Gelenkerkrankungen, höhere Belastung für Herz und Atmung sowie eine verkürzte Lebensdauer. Management: täglicher Kalorienbedarf berechnen, Portionen genau kontrollieren, regelmäßige Bewegung steigern und bei Bedarf ein energieärmeres Futter einsetzen. Ein sinnvolles Ziel sind 1-2 % Gewichtsverlust pro Woche. Tierärztliche Begleitung verbessert den langfristigen Erfolg.
In der Türkei ist die Tollwutimpfung für Hunde gesetzlich vorgeschrieben. Die erste Impfung erfolgt ab dem Alter von 3 Monaten, danach eine Auffrischung nach 1 Jahr und anschließend je nach Impfstoff jährlich oder alle 3 Jahre. Tollwut ist eine tödliche Zoonose. Für Reisen in EU-Länder sind eine gültige Tollwutimpfung und ein Heimtierausweis erforderlich.
Der Canine Infectious Respiratory Disease Complex (CIRD), umgangssprachlich Zwingerhusten, ist ein häufiges infektiöses Atemwegssyndrom beim Hund. Häufige Erreger: Bordetella bronchiseptica, CAV-2, canines Parainfluenzavirus, Staupevirus und Mycoplasmen. Symptome: trockener, hackender Husten, Nasenausfluss und teilweise Fieber. Übertragung: über Aerosole und direkten Kontakt, vor allem in Hundegruppen. Vorbeugung: Eine Bordetella-Impfung kann helfen, und in Pensionen, Grooming-Salons oder Tierheimen ist gutes Risikomanagement besonders wichtig.
CKD tritt mit zunehmendem Alter beim Hund häufiger auf und wird meist nach dem IRIS-System eingeteilt. Ernährungsmanagement: Phosphorrestriktion, stadiengerechte Proteinanpassung, höhere Wasseraufnahme und Omega-3-Supplementierung. Medizinisches Management: Blutdruckkontrolle, Phosphatbinder bei Bedarf und regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen. Eine frühe Erkennung verbessert Prognose und Lebensqualität.
Hunde erreichen das Seniorenalter je nach Rassegröße in unterschiedlichem Alter. Kleine Rassen: etwa mit 10-12 Jahren. Große Rassen: etwa mit 7-8 Jahren. Häufige Probleme: Arthrose, Herzerkrankungen, CKD, Morbus Cushing, Diabetes, kognitive Dysfunktion, Zahnerkrankungen und Tumoren. Betreuungsplan: tierärztliche Kontrollen alle 6 Monate, jährliche Blut- und Urinuntersuchungen, Blutdruckmessungen und bei Bedarf Echokardiographie. Eine frühe Erkennung altersbedingter Erkrankungen verbessert die Lebensqualität deutlich.
Leptospirose ist eine schwere zoonotische bakterielle Erkrankung, die durch Leptospiren verursacht wird. Übertragung: Kontakt mit Wasser oder Boden, der mit Urin infizierter Tiere kontaminiert ist. Symptome: Fieber, Erbrechen, Durchfall, Ikterus sowie Nieren- oder Leberversagen. Vorbeugung: Impfung bei Risikohunden, Vermeidung stehender verunreinigter Gewässer und gute Nagetierkontrolle. Da Leptospirose auch den Menschen infizieren kann, sind eine schnelle Diagnostik und Hygienemaßnahmen wichtig.
Die atopische Dermatitis gehört zu den häufigsten allergischen Hauterkrankungen beim Hund. Symptome: Juckreiz, Rötung, wiederkehrende Ohrentzündungen und Pfotenlecken. Diagnostik: klinische Beurteilung, Ausschluss von Parasiten und Futtermittelallergie sowie gegebenenfalls Allergietests. Behandlung: Oclacitinib, Lokivetmab, Ciclosporin, kurzfristige Kortikosteroide, allergenspezifische Immuntherapie und eine konsequente Hautbarrierepflege können sinnvoll sein.
Babesiose ist eine durch Zecken übertragene Blutparasitosе. Symptome: Fieber, Anämie, Ikterus, rötlicher Urin, Schwäche und Appetitverlust. Akute Fälle können lebensbedrohlich sein. Diagnostik: Blutausstrich und PCR werden häufig eingesetzt. Behandlung: Imidocarb zusammen mit supportiver Therapie, bei schwerer Anämie gegebenenfalls auch Transfusion. Vorbeugung: Eine wirksame Zeckenkontrolle ist die wichtigste Maßnahme.
Die canine Ehrlichiose ist eine durch Zecken übertragene rickettsielle Erkrankung. Symptome: Fieber, Appetitmangel, Gewichtsverlust, Blutungsneigung und Thrombozytopenie. Chronische Fälle können zu einer Knochenmarkssuppression führen. Diagnostik: Serologie, PCR und Blutbildbefunde. Behandlung: Doxycyclin über 4-6 Wochen ist Standard. Vorbeugung: Eine konsequente Zeckenkontrolle ist die wichtigste Schutzmaßnahme.
Die canine Leishmaniose ist eine schwere protozoäre Erkrankung, verursacht durch Leishmania infantum. Übertragung: durch Sandmückenstiche. Sie ist in einigen Mittelmeer- und Küstenregionen, auch in Teilen der Türkei, endemisch. Symptome: Gewichtsverlust, Hautläsionen, verlängertes Krallenwachstum, Lymphknotenschwellung und Nierenversagen. Behandlung: häufig Langzeittherapie mit Allopurinol, teils kombiniert mit Antimonpräparaten oder Miltefosin. Vorbeugung: sandmückenabweisende Halsbänder oder Spot-ons sowie konsequenter Schutz in Endemiegebieten.
Krebserkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen beim Hund. Häufige Tumorarten: Mastzelltumoren, Lymphome, Osteosarkome, Hämangiosarkome und Mammatumoren. Frühe Warnzeichen: eine wachsende Masse, nicht heilende Wunden, ungeklärter Gewichtsverlust, Lahmheit oder Appetitmangel. Diagnostik: Zytologie, Biopsie und bildgebendes Staging. Behandlung: Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie oder multimodale Kombinationen je nach Tumorart und Stadium. Eine Vorstellung beim veterinären Onkologen ist oft sinnvoll.
Das canine kognitive Dysfunktionssyndrom (CDS) ist eine altersbedingte degenerative Gehirnerkrankung, die häufig mit der Alzheimer-Erkrankung des Menschen verglichen wird. Typische Anzeichen (DISHA): Desorientierung, veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, verminderte soziale Interaktion, Verlust der Stubenreinheit und Aktivitätsveränderungen. Management: kann Selegilin, Omega-3-Fettsäuren, antioxidantienreiche Diäten, Umweltanreicherung und regelmäßige Bewegung umfassen. Eine frühe Erkennung kann das Fortschreiten verlangsamen und die Funktion erhalten.
Die gastrische Dilatation-Volvulus (GDV), umgangssprachlich Magendrehung, ist beim Hund ein lebensbedrohlicher Notfall. Prädisponiert sind: große und tiefbrüstige Rassen. Symptome: aufgeblähter Bauch, erfolgloses Würgen, Unruhe, vermehrter Speichelfluss und Schockanzeichen. Behandlung: sofortige Dekompression, Infusionstherapie und Operation mit Gastropexie. Vorbeugung: sehr große Einzelmahlzeiten vermeiden, Stress oder starke Bewegung nach dem Fressen reduzieren und bei Risikorassen eine prophylaktische Gastropexie erwägen.
Pankreatitis ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Risikofaktoren: fettreiche Fütterung, Übergewicht, Rasseprädisposition und frühere Episoden. Symptome: Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitverlust, Durchfall und teilweise Fieber. Diagnostik: cPLI, Ultraschall und biochemische Blutwerte. Behandlung: Infusionen, Schmerztherapie, Antiemetika und eine frühe enterale Ernährung statt langem Fasten. Langfristig wird oft ein fettärmeres Futter empfohlen.
Häufige Augenerkrankungen beim Hund: Katarakt, Glaukom, trockenes Auge (KCS), Entropium oder Ektropium sowie progressive Retinaatrophie. Dringende Warnzeichen: plötzliche Blindheit, ein gerötetes schmerzhaftes Auge, deutliche Hornhauttrübung oder sichtbare Schwellung. Eine frühe ophthalmologische Untersuchung kann in vielen Fällen bleibenden Sehverlust verhindern.
OCD ist eine entwicklungsbedingte Störung des Gelenkknorpels, die besonders bei jungen großen Hunden vorkommt. Patellaluxation ist ein Herausspringen der Kniescheibe und tritt besonders bei kleinen Rassen häufig auf. Symptome: Lahmheit, Schmerzen, verändertes Gangbild und reduzierte Aktivität. Behandlung: je nach Schweregrad konservativ, physiotherapeutisch oder chirurgisch. Eine frühe Intervention kann spätere Arthroseentwicklung vermindern.
Das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) bezeichnet Atemprobleme bei kurznasigen Rassen. Symptome: laute Atmung, Schnarchen, verminderte Belastbarkeit, Hitzeintoleranz, Zyanose oder Kollaps. Management: Gewichtskontrolle, Vermeidung von Hitzestress, angepasste Bewegung und bei ausgewählten Fällen chirurgische Korrektur. Besonders wichtig ist dies bei Rassen wie Französischer Bulldogge, Mops und Bulldogge.
Zu den häufigsten Fehlern gehören: 1) freie Fütterung, 2) unausgewogene Rohfütterung, 3) giftige Lebensmittel wie Zwiebeln, Knoblauch, Weintrauben, Schokolade oder Xylit, 4) Knochenfütterung mit Risiko für Zahnfrakturen oder Darmverschluss, 5) Katzenfutter, das oft zu protein- und fettreich ist, 6) ungeeignete Nahrungsergänzungen und 7) zu schnelle Futterwechsel. Solche Fehler können zu Übergewicht, Pankreatitis, Durchfall und Vergiftungen beitragen.
Die Informationen auf dieser Seite wurden von WSAVA 2022, ABVP und ACVIM Richtlinien von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK erstellt. Konsultieren Sie Ihren Tierarzt für individuelle Diagnose und Behandlung.
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