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Dieser Inhalt wurde von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK auf Basis wissenschaftlicher Quellen erstellt.
Mastrinder

Futterzusatzstoffe: Ionophore, Lebendhefe, Pufferstoffe und ätherische Öle

Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK 18 Februar 2026 121 Aufrufe

Monensin, Lebendhefe, Natriumbikarbonat, ätherische Öle, Enzyme, geschützte Aminosäuren und ein praxisnaher Auswahlleitfaden.


Futterzusatzstoffe sind Verbindungen, die der Ration zugesetzt werden, um die Pansenfermentation zu optimieren, die Futterverwertung (FCR) zu verbessern, Stoffwechselstörungen vorzubeugen und die tierische Leistung zu steigern. Die richtige Auswahl kann in der Bullenmast 5-15% Kostenvorteil pro Tier bringen. Dieser Beitrag behandelt Ionophore, Lebendhefe, Pufferstoffe, ätherische Öle, Enzyme und weitere Zusatzstoffe einschließlich Wirkmechanismen, Dosierungsbereichen und der aktuellen rechtlichen Situation in der Türkei.

Rechtlicher Hinweis

In der Türkei wird der Einsatz von Futterzusatzstoffen durch das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft geregelt. In Übereinstimmung mit dem EU-Recht sind einige Zusatzstoffe wie antibiotische Leistungsförderer und bestimmte Hormone verboten. Ionophore wie Monensin und Lasalocid sind in der Türkei als Futterzusatzstoffe zugelassen, müssen aber unter Beachtung der Anwendungsbedingungen eingesetzt werden. Der aktuelle Zulassungsstatus jedes Produkts sollte immer überprüft werden.

1. Ionophore

Ionophore sind Polyether-Antibiotika, die Gram-positive Bakterien hemmen, indem sie den Ionentransport durch die Zellmembran stören. Durch eine Verschiebung der Pansenfermentation in Richtung Propionat verbessern sie die Energieeffizienz und senken die Methanbildung (Russell & Strobel, 1989).

Ionophor Dosis (Mast) Dosis (Milch) Wirkung Status in der Türkei
Monensin (Rumensin®) 200-360 mg/Tier/Tag CRC-Bolus bei Milchkühen FCR 5-10% ↑, Methan 10-25% ↓, geringeres Azidoserisiko, Kontrolle von Kokzidiose Zugelassen als Futterzusatzstoff
Lasalocid (Bovatec®) 200-360 mg/Tier/Tag Ähnlich wie Monensin, mit stärkerem Effekt auf Kokzidiose Zugelassen
Sicherheitshinweis zu Ionophoren
  • Für Pferde toxisch: Monensin ist für Pferde letal; jede Kontamination von Pferdefutter muss ausgeschlossen werden
  • Überdosierung: Auch bei Rindern führen hohe Dosen zu Toxizität mit Muskelnekrosen und Herzversagen
  • Tiamulin-Interaktion: Die Kombination von Tiamulin und Ionophoren ist toxisch und darf nicht gemeinsam eingesetzt werden
  • Homogene Mischung: In der TMR ist eine gleichmäßige Verteilung entscheidend, um Überdosierungen zu vermeiden

2. Lebendhefe (Saccharomyces cerevisiae)

Parameter Detail
Wirkstoff Saccharomyces cerevisiae als lebende Hefezellen oder Kulturfiltrat
Dosis 1-10 × 10⁹ KBE/Tier/Tag je nach Produkt
Wirkmechanismus Verbraucht O₂ im Pansen und verbessert das anaerobe Milieu → mehr cellulolytische Bakterien, mehr Laktatverwerter
Bei Milchkühen TS-Aufnahme 1-2% ↑, Milchleistung 1-3% ↑, stabilerer Pansen-pH, höhere NDF-Verdaulichkeit
Bei Masttieren Tageszunahmen 3-5% ↑, FCR 2-4% ↑, geringeres Azidoserisiko
Besonders wirksam Transitphase, kraftfutterreiche Rationen und Stressphasen
Evidenzniveau Stark, gestützt durch mehrere Metaanalysen

3. Pufferstoffe

Puffer Dosis Wirkung Indikation
Natriumbikarbonat (NaHCO₃) 0,75-1,0% der TM, etwa 150-200 g/Tag Direkte Pufferung des Pansens und Stabilisierung des pH-Werts SARA-Risiko, Milchfettdepression, kraftfutterreiche Rationen
Magnesiumoxid (MgO) 0,2-0,3% der TM, etwa 40-60 g/Tag Pufferung plus Magnesiumquelle, Milchfett ↑ Häufig zusammen mit NaHCO₃ im Verhältnis 2:1
Kaliumcarbonat 0,5-1,0% der TM Pufferung plus Kaliumquelle Geeignet bei kaliumarmen Rationen
Bentonit (Tonmineral) 1-2% der TM Begrenzte Pufferwirkung plus Bindung von Mykotoxinen Rationen mit Mykotoxinrisiko

4. Ätherische Öle und Pflanzenextrakte

Verbindung Quelle Wirkung Evidenz
Thymol + Carvacrol Thymian, Oregano Antimikrobiell, geringere Proteindeaminierung, weniger NH₃ Mittel bis stark
Zimtaldehyd Zimt Antimikrobiell, Propionat ↑ Mittel
Eugenol Gewürznelke Antimikrobiell und entzündungshemmend Mittel
Capsaicin Chili TS-Aufnahme ↑, Pansendurchblutung ↑, VFA-Absorption ↑ Mittel
Kommerzielle Mischungen (Crina®, Agolin®) Mehrere ätherische Öle Methan ↓, FCR ↑, Milchleistung ↑ Stark, insbesondere Agolin mit 8-12% weniger Methan

5. Enzyme

Enzym Substrat Wirkung Evidenz
Cellulase + Hemicellulase Cellulose und Hemicellulose (NDF) NDF-Verdaulichkeit 2-5% ↑, TS-Aufnahme ↑ Mittel, Ergebnisse sind jedoch variabel
Amylase Stärke Höhere Stärkeverdaulichkeit Schwach bis mittel
Phytase Phytat-Phosphor Höhere Phosphorverfügbarkeit, geringere P-Ausscheidung in die Umwelt Mittel, bei Wiederkäuern aber begrenzter Effekt

6. Weitere Zusatzstoffe

Zusatzstoff Dosis Wirkung Indikation
Pansengeschütztes Cholin (RPC) 12-15 g/Tag in der Transitphase Weniger Fettleber, mehr VLDL-Export, geringeres Ketoserisiko Transitphase der Milchkuh
Pansengeschütztes Methionin 2,2-2,5% des metabolisierbaren Proteins Milchprotein ↑, Glutathion ↑, oxidativer Stress ↓ Milchkühe über die gesamte Laktation
Geschütztes Fett (Calciumseifen) 200-500 g/Tag Höhere Energiedichte ohne Störung der Pansenfermentation Frühlaktation und negative Energiebilanz
Propylenglykol 300-500 mL/Tag oral Mehr Glukoneogenese und Ketoseprophylaxe Transitphase etwa von −10 bis +10 Tagen
Mykotoxinbinder Produktabhängig, meist 1-5 g/kg Futter Bindung von Aflatoxin, DON und ZEA Futtermittel mit relevantem Mykotoxinrisiko
3-NOP (Bovaer®) 60-80 mg/kg TM 20-30% weniger Methan durch direkte Hemmung der Methanogenese Umweltziele; seit 2022 in der EU zugelassen

7. Leitfaden zur Auswahl von Zusatzstoffen

Empfehlungen nach Situation
  • Mastrinder allgemein: Monensin + Lebendhefe
  • Endmast: Monensin + NaHCO₃ zur Azidoseprävention
  • Transitphase der Milchkuh: Geschütztes Cholin + geschütztes Methionin + Lebendhefe + Propylenglykol
  • Milchkuh in der Frühlaktation: NaHCO₃ + MgO + Lebendhefe + geschütztes Fett
  • SARA-Risiko: NaHCO₃ + Lebendhefe + mehr wirksame NDF
  • Hitzestress: NaHCO₃ + Kaliumcarbonat + Lebendhefe + Niacin
  • Mykotoxinrisiko: Mykotoxinbinder auf Ton- oder Enzymbasis

8. Literatur

  • Desnoyers, M., et al. (2009). Meta-analysis of the influence of Saccharomyces cerevisiae supplementation on ruminal parameters and milk production of ruminants. Journal of Dairy Science, 92(4), 1620-1632.
  • Duffield, T. F., et al. (2012). Meta-analysis of the effects of monensin in beef cattle on feed efficiency, body weight gain, and dry matter intake. Journal of Animal Science, 90(12), 4583-4592.
  • Russell, J. B., & Strobel, H. J. (1989). Effect of ionophores on ruminal fermentation. Applied and Environmental Microbiology, 55(1), 1-6.
  • Calsamiglia, S., et al. (2007). Invited review: Essential oils as modifiers of rumen microbial fermentation. Journal of Dairy Science, 90(6), 2580-2595.
Tags: Yem Katkı İyonofor Monensin Canlı Maya Tampon NaHCO₃ Esansiyel Yağ Enzim Korunmuş Kolin

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