Silage ist konserviertes Grobfutter, das unter anaeroben Bedingungen durch Milchsäuregärung stabilisiert wird, und es gehört zu den wichtigsten Raufutterquellen der modernen Rinderhaltung. Gut hergestellte Silage liefert das ganze Jahr über einen gleichmäßigen Nährwert, während fehlerhafte Silagebereitung zu Nährstoffverlusten, Schimmel, Mykotoxinrisiken, geringerer Trockenmasseaufnahme und Leistungseinbußen führt. Dieser Beitrag behandelt die Fermentationsbiochemie, den Erntezeitpunkt, das Verdichten, Zusatzstoffe, die Qualitätsbewertung und die Vermeidung aerober Verderbnis.
Ökonomische Bedeutung
Schlechtes Silagemanagement kann die Trockenmasseverluste auf 15-40% erhöhen. Aerobe Verderbnis an der Anschnittfläche allein kann 10-15% Trockenmasseverlust verursachen. Silage mit hohem Buttersäuregehalt kann bei Milchkühen buttersäurebedingte Ketose fördern und die Trockenmasseaufnahme um 10-20% senken. Hochwertige Silage wirkt sich damit direkt auf Futterkosten, Aufnahme, Milchleistung und Herdengesundheit aus.
1. Biochemie der Silagefermentation
Die Silagefermentation verläuft in vier Phasen. Ziel ist, dass sich Milchsäurebakterien (LAB) rasch durchsetzen, den pH-Wert absenken und das Pflanzenmaterial stabilisieren, bevor sich unerwünschte Mikroorganismen etablieren können (McDonald et al., 1991).
| Phase | Dauer | Bedingungen | Mikroorganismen | Ergebnis |
| Aerobe Phase | Stunden | Restlicher Sauerstoff ist noch vorhanden | Pflanzenenzyme, aerobe Bakterien, Hefen | Atmung und Zuckerverlust halten an, bis der Sauerstoff verbraucht ist |
| Initiale Fermentation | 1-3 Tage | Sauerstoff sinkt, lösliche Zucker sind verfügbar | LAB beginnen zu dominieren | Milchsäure steigt an, pH fällt ab |
| Stabile Fermentation | 2-3 Wochen | Streng anaerobes Milieu | LAB dominieren, Fehlflora wird unterdrückt | pH erreicht einen stabil niedrigen Bereich, das Futter ist konserviert |
| Entnahmephase | Nach dem Öffnen | Sauerstoff dringt an die Anschnittfläche ein | Hefen und Schimmel werden wieder aktiv | Das Risiko aerober Verderbnis beginnt sofort nach dem Öffnen |
2. Erntezeitpunkt und Trockenmasse
Der Erntezeitpunkt ist der wichtigste Einzelparameter für die Silagequalität. Frühe Ernte führt zu niedriger Trockenmasse, Sickersaftverlusten und höherem Buttersäurerisiko. Späte Ernte erhöht NDF, senkt die Verdaulichkeit und erschwert das Verdichten.
| Silagetyp | Optimale TM (%) | Erntezeitpunkt | Häcksellänge | Kritischer Hinweis |
| Maissilage | 30-35% | Halbe bis zwei Drittel Milchlinie | Etwa 1,0-1,5 cm, angepasst an die Kornaufbereitung | Zu nass erhöht Sickersaft- und Clostridienrisiko, zu trocken verschlechtert das Verdichten |
| Luzernesilage | 35-40% | Späte Knospe bis früher Blühbeginn | Etwa 1,5-2,0 cm | Zu nass fördert Buttersäuregärung, zu trocken erhöht Blattverluste |
| Grassilage | 30-35% | Frühes Ähren-/Rispenschieben | Etwa 1,5-2,0 cm | Die Faserverdaulichkeit sinkt schnell bei verspäteter Ernte |
- Zum richtigen TM-Gehalt ernten: in der Praxis meist etwa 30-35% TM anstreben.
- Die richtige theoretische Häcksellänge wählen: je nach Pflanzenart und Aufbereitung.
- Schnell befüllen: das Silo möglichst in weniger als 3 Tagen füllen.
- Dicht verdichten: mindestens 240 kg TM/m³ anstreben.
- Sofort abdecken: direkt nach dem Füllen mit Folie und Gewichten verschließen.
- Doppelte Abdeckung nutzen: Sauerstoffbarriere plus Standardfolie.
- Kanten und Ecken sichern: dort entstehen die größten Verluste.
- Mindestens 21 Tage warten: vor Abschluss der Fermentation nicht öffnen.
3. Silomanagement
3.1 Verdichtungsdichte
Die Verdichtungsdichte bestimmt, wie viel Luft im Silagestock verbleibt. Unzureichende Verdichtung führt zu Lufttaschen, aerober Verderbnis, Schimmel und Erwärmung.
- Zieldichte: ≥240 kg TM/m³
Regeln für die Verdichtung
- Traktorgewicht: etwa 25-30% der stündlichen Füllleistung (t/h)
- Schichtdicke: ≤15 cm vor dem Verdichten
- Kontinuierliche Verdichtung: der Traktor sollte während des gesamten Füllvorgangs arbeiten
4. Siliermittel
| Art des Zusatzstoffs | Wirkstoff | Wirkung | Indikation |
| Homolaktische Inokulanten | L. plantarum, P. pentosaceus | Schneller pH-Abfall, effizientere Fermentation | Allgemeiner Einsatz, wenn rasche Ansäuerung gewünscht ist |
| Heterolaktische Inokulanten | L. buchneri | Verbessern die aerobe Stabilität durch mehr Essigsäure | Sinnvoll bei Problemen mit Erwärmung an der Anschnittfläche |
| Organische Säuren | Propion- oder Ameisensäure | Unterdrücken Verderbniserreger und begrenzen Erwärmung | Bei risikoreichem Material oder wiederkehrender Face-Verderbnis |
| Enzyme | Cellulase, Hemicellulase | Erhöhen die Verfügbarkeit fermentierbarer Substrate | Bei Futter mit begrenztem Gehalt an löslichen Kohlenhydraten |
5. Bewertung der Silagequalität
5.1 Fermentationsprofil
| Parameter | Gute Silage | Mittel | Schlecht |
| pH | Niedrig und stabil für die jeweilige Kultur | Grenzwertig | Zu hoch und instabil |
| Milchsäure | Dominierende Säure | Mittel | Niedrig |
| Essigsäure | Mäßig | Variabel | Zu hoch oder zu niedrig bei Stabilitätsproblemen |
| Buttersäure | Fehlend oder minimal | Nachweisbar | Hoch, Hinweis auf Clostridiengärung |
5.2 Nährwertanalyse
| Parameter | Maissilage (gut) | Luzernesilage (gut) |
| Trockenmasse | 30-35% | 35-40% |
| Rohprotein | 7-9% | 18-22% |
| NDF | 35-45% | 38-48% |
| Verdaulichkeit | Hohe Stärke- und Faserverdaulichkeit | Gute Blattverluste und Faserverdaulichkeit |
6. Aerobe Verderbnis und Management der Anschnittfläche
Anzeichen aerober Verderbnis
- Erwärmung: Temperatur der Anschnittfläche mehr als 5°C über Umgebung
- Schimmel: sichtbare weiße, grüne oder schwarze Kolonien
- Geruch: alkoholisch, essigsauer oder schimmelig statt angenehm säuerlich
- Farbe: dunkelbraune oder schwarze Bereiche
- Effekt auf die Aufnahme: verdorbene Silage kann die TM-Aufnahme um 10-30% senken
- Täglicher Vorschub: im Sommer mindestens 30 cm/Tag, im Winter mindestens 15 cm/Tag
- Glatte Anschnittfläche: die Fläche eben halten und Futter nicht mit der Schaufel herausreißen
- Silagefacer: das beste Werkzeug für eine glatte, dichte Anschnittfläche
- Folie nur schrittweise öffnen: jeweils nur 1-2 Tage Futter freilegen
- Verdorbene Silage trennen: verschimmelte oder erwärmte Silage nicht verfüttern
7. Mykotoxine und Silage
| Mykotoxin | Quellschimmel | Wirkung beim Rind | Toleranzgrenze |
| Aflatoxin | Aspergillus spp. | Leberbelastung, Leistungsrückgang, Rückstände in Milch | Sehr geringe Toleranz, hohe regulatorische Relevanz |
| Zearalenon | Fusarium spp. | Reproduktionsstörungen | Belastung in Zuchtherden möglichst minimieren |
| DON | Fusarium spp. | Weniger Aufnahme, Pansenstörungen | Mäßige Toleranz, chronische Belastung bleibt problematisch |
| T-2-Toxin | Fusarium spp. | Maulschleimhautläsionen, Immunsuppression, Leistungsabfall | Niedrige Toleranz |
8. Überwachung der Silage auf Herdenebene
| Parameter | Ziel | Alarm | Messung |
| Trockenmasse | Innerhalb des kulturspezifischen Zielbereichs | Zu nass oder zu trocken | Trockenschrank, Koster oder NIR |
| pH und Gärsäuren | Stabiles, kulturgerechtes Profil | Hoher pH oder erhöhte Buttersäure | Laboranalyse der Gärung |
| Erwärmung an der Anschnittfläche | Keine deutliche Temperaturerhöhung | >5°C über Umgebung | Infrarotthermometer oder Sonde |
| Schimmel und sichtbare Schäden | Kein sichtbarer Bewuchs | Schimmelkolonien oder schwarze Bereiche | Tägliche Kontrolle der Anschnittfläche |
Silagequalität sollte systematisch überwacht werden und nicht erst dann, wenn offensichtliche Probleme auftreten. Trockenmasse, Fermentationsprofil, Erwärmung und optische Qualität beeinflussen Aufnahme, Rationskonstanz und Tierreaktion. Gutes Silagemanagement ist daher Teil des Gesundheitsmanagements und nicht nur der Futterkonservierung.
9. Literatur
- McDonald, P., et al. (1991). The Biochemistry of Silage (2nd ed.). Marlow, UK: Chalcombe Publications.
- Muck, R. E. (2010). Silage microbiology and its control through additives. Revista Brasileira de Zootecnia, 39(suppl.), 183-191.
- Wilkinson, J. M., & Davies, D. R. (2013). The aerobic stability of silage: Key findings and recent developments. Grass and Forage Science, 68(1), 1-19.
- Kung, L., et al. (2018). Silage review: Interpretation of chemical, microbial, and organoleptic components of silages. Journal of Dairy Science, 101(5), 4020-4033.