Tierärztlich geprüfter Inhalt
Dieser Inhalt wurde von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK auf Basis wissenschaftlicher Quellen erstellt.
Milchviehhaltung

Silagebereitung und Qualitätsbewertung: Von der Fermentation bis zum Anschnittmanagement

Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK 18 Februar 2026 100 Aufrufe

Praxisleitfaden zur Silage mit Fermentationsbiochemie, Erntezeitpunkt, Verdichtung, Zusatzstoffen, Qualitätsbewertung, aerober Verderbnis und Mykotoxinrisiken.


Silage ist konserviertes Grobfutter, das unter anaeroben Bedingungen durch Milchsäuregärung stabilisiert wird, und es gehört zu den wichtigsten Raufutterquellen der modernen Rinderhaltung. Gut hergestellte Silage liefert das ganze Jahr über einen gleichmäßigen Nährwert, während fehlerhafte Silagebereitung zu Nährstoffverlusten, Schimmel, Mykotoxinrisiken, geringerer Trockenmasseaufnahme und Leistungseinbußen führt. Dieser Beitrag behandelt die Fermentationsbiochemie, den Erntezeitpunkt, das Verdichten, Zusatzstoffe, die Qualitätsbewertung und die Vermeidung aerober Verderbnis.

Ökonomische Bedeutung

Schlechtes Silagemanagement kann die Trockenmasseverluste auf 15-40% erhöhen. Aerobe Verderbnis an der Anschnittfläche allein kann 10-15% Trockenmasseverlust verursachen. Silage mit hohem Buttersäuregehalt kann bei Milchkühen buttersäurebedingte Ketose fördern und die Trockenmasseaufnahme um 10-20% senken. Hochwertige Silage wirkt sich damit direkt auf Futterkosten, Aufnahme, Milchleistung und Herdengesundheit aus.

1. Biochemie der Silagefermentation

Die Silagefermentation verläuft in vier Phasen. Ziel ist, dass sich Milchsäurebakterien (LAB) rasch durchsetzen, den pH-Wert absenken und das Pflanzenmaterial stabilisieren, bevor sich unerwünschte Mikroorganismen etablieren können (McDonald et al., 1991).

PhaseDauerBedingungenMikroorganismenErgebnis
Aerobe PhaseStundenRestlicher Sauerstoff ist noch vorhandenPflanzenenzyme, aerobe Bakterien, HefenAtmung und Zuckerverlust halten an, bis der Sauerstoff verbraucht ist
Initiale Fermentation1-3 TageSauerstoff sinkt, lösliche Zucker sind verfügbarLAB beginnen zu dominierenMilchsäure steigt an, pH fällt ab
Stabile Fermentation2-3 WochenStreng anaerobes MilieuLAB dominieren, Fehlflora wird unterdrücktpH erreicht einen stabil niedrigen Bereich, das Futter ist konserviert
EntnahmephaseNach dem ÖffnenSauerstoff dringt an die Anschnittfläche einHefen und Schimmel werden wieder aktivDas Risiko aerober Verderbnis beginnt sofort nach dem Öffnen

2. Erntezeitpunkt und Trockenmasse

Der Erntezeitpunkt ist der wichtigste Einzelparameter für die Silagequalität. Frühe Ernte führt zu niedriger Trockenmasse, Sickersaftverlusten und höherem Buttersäurerisiko. Späte Ernte erhöht NDF, senkt die Verdaulichkeit und erschwert das Verdichten.

SilagetypOptimale TM (%)ErntezeitpunktHäcksellängeKritischer Hinweis
Maissilage30-35%Halbe bis zwei Drittel MilchlinieEtwa 1,0-1,5 cm, angepasst an die KornaufbereitungZu nass erhöht Sickersaft- und Clostridienrisiko, zu trocken verschlechtert das Verdichten
Luzernesilage35-40%Späte Knospe bis früher BlühbeginnEtwa 1,5-2,0 cmZu nass fördert Buttersäuregärung, zu trocken erhöht Blattverluste
Grassilage30-35%Frühes Ähren-/RispenschiebenEtwa 1,5-2,0 cmDie Faserverdaulichkeit sinkt schnell bei verspäteter Ernte
  1. Zum richtigen TM-Gehalt ernten: in der Praxis meist etwa 30-35% TM anstreben.
  2. Die richtige theoretische Häcksellänge wählen: je nach Pflanzenart und Aufbereitung.
  3. Schnell befüllen: das Silo möglichst in weniger als 3 Tagen füllen.
  4. Dicht verdichten: mindestens 240 kg TM/m³ anstreben.
  5. Sofort abdecken: direkt nach dem Füllen mit Folie und Gewichten verschließen.
  6. Doppelte Abdeckung nutzen: Sauerstoffbarriere plus Standardfolie.
  7. Kanten und Ecken sichern: dort entstehen die größten Verluste.
  8. Mindestens 21 Tage warten: vor Abschluss der Fermentation nicht öffnen.

3. Silomanagement

3.1 Verdichtungsdichte

Die Verdichtungsdichte bestimmt, wie viel Luft im Silagestock verbleibt. Unzureichende Verdichtung führt zu Lufttaschen, aerober Verderbnis, Schimmel und Erwärmung.

  • Zieldichte: ≥240 kg TM/m³
Regeln für die Verdichtung
  • Traktorgewicht: etwa 25-30% der stündlichen Füllleistung (t/h)
  • Schichtdicke: ≤15 cm vor dem Verdichten
  • Kontinuierliche Verdichtung: der Traktor sollte während des gesamten Füllvorgangs arbeiten

4. Siliermittel

Art des ZusatzstoffsWirkstoffWirkungIndikation
Homolaktische InokulantenL. plantarum, P. pentosaceusSchneller pH-Abfall, effizientere FermentationAllgemeiner Einsatz, wenn rasche Ansäuerung gewünscht ist
Heterolaktische InokulantenL. buchneriVerbessern die aerobe Stabilität durch mehr EssigsäureSinnvoll bei Problemen mit Erwärmung an der Anschnittfläche
Organische SäurenPropion- oder AmeisensäureUnterdrücken Verderbniserreger und begrenzen ErwärmungBei risikoreichem Material oder wiederkehrender Face-Verderbnis
EnzymeCellulase, HemicellulaseErhöhen die Verfügbarkeit fermentierbarer SubstrateBei Futter mit begrenztem Gehalt an löslichen Kohlenhydraten

5. Bewertung der Silagequalität

5.1 Fermentationsprofil

ParameterGute SilageMittelSchlecht
pHNiedrig und stabil für die jeweilige KulturGrenzwertigZu hoch und instabil
MilchsäureDominierende SäureMittelNiedrig
EssigsäureMäßigVariabelZu hoch oder zu niedrig bei Stabilitätsproblemen
ButtersäureFehlend oder minimalNachweisbarHoch, Hinweis auf Clostridiengärung

5.2 Nährwertanalyse

ParameterMaissilage (gut)Luzernesilage (gut)
Trockenmasse30-35%35-40%
Rohprotein7-9%18-22%
NDF35-45%38-48%
VerdaulichkeitHohe Stärke- und FaserverdaulichkeitGute Blattverluste und Faserverdaulichkeit

6. Aerobe Verderbnis und Management der Anschnittfläche

Anzeichen aerober Verderbnis
  • Erwärmung: Temperatur der Anschnittfläche mehr als 5°C über Umgebung
  • Schimmel: sichtbare weiße, grüne oder schwarze Kolonien
  • Geruch: alkoholisch, essigsauer oder schimmelig statt angenehm säuerlich
  • Farbe: dunkelbraune oder schwarze Bereiche
  • Effekt auf die Aufnahme: verdorbene Silage kann die TM-Aufnahme um 10-30% senken
  • Täglicher Vorschub: im Sommer mindestens 30 cm/Tag, im Winter mindestens 15 cm/Tag
  • Glatte Anschnittfläche: die Fläche eben halten und Futter nicht mit der Schaufel herausreißen
  • Silagefacer: das beste Werkzeug für eine glatte, dichte Anschnittfläche
  • Folie nur schrittweise öffnen: jeweils nur 1-2 Tage Futter freilegen
  • Verdorbene Silage trennen: verschimmelte oder erwärmte Silage nicht verfüttern

7. Mykotoxine und Silage

MykotoxinQuellschimmelWirkung beim RindToleranzgrenze
AflatoxinAspergillus spp.Leberbelastung, Leistungsrückgang, Rückstände in MilchSehr geringe Toleranz, hohe regulatorische Relevanz
ZearalenonFusarium spp.ReproduktionsstörungenBelastung in Zuchtherden möglichst minimieren
DONFusarium spp.Weniger Aufnahme, PansenstörungenMäßige Toleranz, chronische Belastung bleibt problematisch
T-2-ToxinFusarium spp.Maulschleimhautläsionen, Immunsuppression, LeistungsabfallNiedrige Toleranz

8. Überwachung der Silage auf Herdenebene

ParameterZielAlarmMessung
TrockenmasseInnerhalb des kulturspezifischen ZielbereichsZu nass oder zu trockenTrockenschrank, Koster oder NIR
pH und GärsäurenStabiles, kulturgerechtes ProfilHoher pH oder erhöhte ButtersäureLaboranalyse der Gärung
Erwärmung an der AnschnittflächeKeine deutliche Temperaturerhöhung>5°C über UmgebungInfrarotthermometer oder Sonde
Schimmel und sichtbare SchädenKein sichtbarer BewuchsSchimmelkolonien oder schwarze BereicheTägliche Kontrolle der Anschnittfläche

Silagequalität sollte systematisch überwacht werden und nicht erst dann, wenn offensichtliche Probleme auftreten. Trockenmasse, Fermentationsprofil, Erwärmung und optische Qualität beeinflussen Aufnahme, Rationskonstanz und Tierreaktion. Gutes Silagemanagement ist daher Teil des Gesundheitsmanagements und nicht nur der Futterkonservierung.

9. Literatur

  • McDonald, P., et al. (1991). The Biochemistry of Silage (2nd ed.). Marlow, UK: Chalcombe Publications.
  • Muck, R. E. (2010). Silage microbiology and its control through additives. Revista Brasileira de Zootecnia, 39(suppl.), 183-191.
  • Wilkinson, J. M., & Davies, D. R. (2013). The aerobic stability of silage: Key findings and recent developments. Grass and Forage Science, 68(1), 1-19.
  • Kung, L., et al. (2018). Silage review: Interpretation of chemical, microbial, and organoleptic components of silages. Journal of Dairy Science, 101(5), 4020-4033.
Tags: Silaj Mısır Silajı Fermentasyon LAB Kuru Madde Aerobik Bozulma Mikotoksin Kaba Yem

Diese Website verwendet Cookies, um Ihre Erfahrung zu verbessern. Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie unsere Cookie-Richtlinie.