Die Dermatophytose (Pilzinfektion, „Ringworm“) ist eine oberflächliche Mykose bei Katzen und Hunden, die vor allem durch Microsporum canis, Microsporum gypseum und Trichophyton mentagrophytes verursacht wird. Bei Katzen sind mehr als 90% der Fälle auf M. canis zurückzuführen. Dermatophytose ist in der Veterinärdermatologie eine wichtige Zoonose und kann auf Menschen übergehen, insbesondere auf Kinder und immunsupprimierte Personen. Katzen können asymptomatische Träger sein und die Umgebung unbemerkt kontaminieren. Dieser Beitrag behandelt Diagnostik, Therapieprotokolle, Umgebungsdekontamination und Strategien zur ernährungsmedizinischen Unterstützung des Immunsystems.
Zoonose-Warnung: Übertragung auf den Menschen
- Dermatophytose ist auf den Menschen übertragbar, besonders auf Kinder, ältere Menschen und immunsupprimierte Personen
- Beim Menschen verursacht sie häufig „Ringworm“, also ringförmige, gerötete, juckende Hautläsionen
- Sowohl das infizierte Tier als auch die kontaminierte Umgebung sind Infektionsquellen
- Treten gleichzeitig Hautveränderungen bei Familienmitgliedern auf, ist eine dermatologische Abklärung sinnvoll
- Strikte Hygienemaßnahmen sind während der gesamten Behandlung unverzichtbar
1. Ätiologie: Wichtige Dermatophytenarten
| Dermatophytenart | Natürlicher Wirt | Häufigkeit | Charakteristika |
|---|---|---|---|
| Microsporum canis | Katze (primärer Wirt) | Katzen: >90%; Hunde: ~70% | Häufigste Art; asymptomatische Trägerschaft bei Katzen ist häufig; Wood-Lampe in etwa 50% der Stämme positiv |
| Microsporum gypseum | Boden (geophil) | 5-10% | Assoziiert mit Bodenkontakt; grabende oder draußen lebende Tiere; oft selbstlimitierend |
| Trichophyton mentagrophytes | Nagetiere | 5-10% | Häufig mit Nagetierkontakt verbunden; kann tiefe entzündliche Läsionen wie Kerion verursachen |
2. Übertragung und Risikofaktoren
- Direkter Kontakt: infiziertes Tier auf gesundes Tier oder Mensch
- Fomites: Kämme, Bürsten, Liegeplätze, Transportboxen, Teppiche und Möbel
- Umweltkontamination: Arthrosporen können in der Umgebung 18-24 Monate lebensfähig bleiben
- Asymptomatische Träger: Katzen, die trotz fehlender Läsionen Sporen ausscheiden
- Bodenkontakt: besonders relevant bei M. gypseum
- Junge Tiere: das Immunsystem ist noch nicht vollständig ausgereift
- Langhaarkatzen: Perser und Himalaya-Katzen haben hohe Trägerraten
- Tierheime oder Mehrtierhaushalte: hohe Populationsdichte begünstigt die Ausbreitung
- FIV-/FeLV-positive Katzen: Immunsuppression erhöht die Anfälligkeit
- Stress und Mangelernährung: schwächen die Immunabwehr
- Warmes, feuchtes Milieu: begünstigt das Überleben von Pilzen
- Gestörte Hautbarriere: Wunden, Ekzeme und entzündete Haut erleichtern die Infektion
Asymptomatische Trägerschaft bei Katzen
Einige Katzen, insbesondere langhaarige Rassen, können M. canis-Sporen ohne klinische Läsionen tragen und dennoch die Umgebung kontaminieren. Das ist einer der Hauptgründe für die Ausbreitung in Tierheimen und Mehrkatzenhaushalten. Asymptomatische Träger werden typischerweise durch Pilzkultur identifiziert und sollten ebenfalls behandelt werden (Moriello et al., 2017).
3. Klinische Symptome
3.1 Klinisches Bild bei Katzen
- Runde, scharf begrenzte Alopezie: haarlose Areale mit grau-weißer Krustenbildung
- Lokalisation: Gesicht, Ohren, Nase und distale Gliedmaßen sind typische Ausgangspunkte
- Schuppung und Krusten: schuppenartige Hautveränderungen sind häufig
- Juckreiz: meist gering, sofern keine sekundäre bakterielle Infektion vorliegt
- Nagelbeteiligung: Onychomykose mit brüchigen oder deformierten Krallen
- Miliäre Dermatitis: diffuse kleine Krusten, die einer allergischen Dermatitis ähneln können
- Asymptomatische Trägerschaft: keine Läsionen trotz positiver Kultur
- Pseudomycetom: seltenes dermatophytisches Granulom, insbesondere bei Perserkatzen
- Generalisierte Erkrankung: wahrscheinlicher bei FIV-/FeLV-positiven Katzen
3.2 Klinisches Bild bei Hunden
- Fokale Alopezie: runde, verkrustete haarlose Areale
- Kerion: entzündliche, geschwollene, schmerzhafte Läsionen, besonders bei T. mentagrophytes
- Follikulitis: auf Haarfollikel zentrierte Infektion
- Onychomykose: Pilzinfektion der Krallen
- Yorkshire Terrier: als prädisponierte Rasse mit potenziell schwererem Verlauf bekannt
4. Diagnostische Methoden
| Methode | Beschreibung | Zuverlässigkeit | Klinischer Hinweis |
|---|---|---|---|
| Wood-Lampen-Untersuchung | UV-Licht zur Erkennung einer apfelgrünen Fluoreszenz mancher M. canis-Infektionen | Niedrig bis mittel | Nur etwa 50% der M. canis-Stämme fluoreszieren; falsch negative Befunde sind häufig, und Schuppen oder topische Präparate können falsch positive Befunde erzeugen |
| Pilzkultur (DTM) | Anzüchtung auf Dermatophyte Test Medium | Goldstandard | Resultate nach 7-21 Tagen; ermöglicht Artidentifikation und Erfassung asymptomatischer Träger |
| PCR | Nachweis dermatophytischer DNA | Hoch | Schneller Befund, kann jedoch lebende von toten Organismen nicht unterscheiden; für Therapiekontrolle nur eingeschränkt geeignet |
| Direkte Mikroskopie (KOH) | Beurteilung von Arthrosporen auf Haaren und Schuppenmaterial | Mittel | Schnell, aber stark untersucherabhängig; ein negativer Befund schließt die Infektion nicht aus |
| Trichogramm | Mikroskopische Untersuchung gezupfter Haare | Mittel | Ektothrix-Arthrosporen können sichtbar sein, erfordert aber Erfahrung |
| McKenzie-Bürstentechnik | Haarentnahme mit steriler Zahnbürste und anschließende Kultur | Hoch | Besonders wertvoll für das Screening asymptomatischer Trägerschaft, vor allem bei Katzen |
Die Wood-Lampen-Falle
Die Wood-Lampe wird häufig eingesetzt, aber ihre Zuverlässigkeit ist begrenzt. Nur etwa die Hälfte der M. canis-Stämme fluoresziert, und andere Dermatophytenarten fluoreszieren in der Regel nicht. Schuppen, topische Medikamente und Textilfasern können falsch positive Resultate erzeugen. Ein negativer Wood-Lampen-Befund schließt Dermatophytose nicht aus; die Diagnose sollte letztlich immer durch Pilzkultur bestätigt werden.
5. Therapieprotokoll
Die dreiteilige Therapiestrategie
Eine erfolgreiche Dermatophytose-Behandlung beruht auf drei Säulen, die gemeinsam umgesetzt werden sollten.
1. Systemische Antimykotika
Orales Itraconazol oder Terbinafin über mindestens 6-8 Wochen oder bis zur Kulturkonversion
2. Topische Therapie
Antimykotische Shampoos wie 2% Miconazol + 2% Chlorhexidin oder Kalkschwefel-Dips, meist zweimal wöchentlich
3. Umgebungsdekontamination
Die Entfernung infektiöser Sporen aus der Umgebung ist essenziell für den Therapieerfolg
5.1 Systemische Antimykotika
| Wirkstoff | Dosis | Dauer | Klinischer Hinweis |
|---|---|---|---|
| Itraconazol | 5 mg/kg/Tag bei Katzen und Hunden | Mindestens 6-8 Wochen; Pulstherapie möglich (1 Woche Therapie, 1 Woche Pause) | Erstlinientherapie; Kontrolle der Leberenzyme ist sinnvoll; Gabe mit dem Futter |
| Terbinafin | 30-40 mg/kg/Tag bei Katzen; 20-30 mg/kg bei Hunden | Mindestens 6-8 Wochen | Alternative zu Itraconazol; bei Katzen oft gut verträglich und mit weniger Wechselwirkungen verbunden |
| Griseofulvin | 25-50 mg/kg/Tag | Langzeitbehandlung | Älterer Wirkstoff mit mehr Nebenwirkungen, darunter Knochenmarksuppression; bei FIV-positiven Katzen kontraindiziert und teratogen in der Trächtigkeit |
5.2 Kriterien für die Beendigung der Therapie
Wann ist die Behandlung beendet?
Die Therapie wird nicht bei klinischer Besserung, sondern erst bei negativer Pilzkultur beendet. Es sollten mindestens zwei aufeinanderfolgende negative Kulturen im Abstand von zwei Wochen vorliegen. Ein zu frühes Absetzen ist eine häufige Rezidivursache. Die durchschnittliche Behandlungsdauer liegt bei 6-12 Wochen, einzelne Fälle benötigen jedoch länger.
6. Umgebungsdekontamination
Dermatophyten-Arthrosporen können in der Umgebung 18-24 Monate lebensfähig bleiben. Ohne Dekontamination der Umgebung scheitert die Therapie häufig.
- Tägliches Staubsaugen: entfernt Haare und Sporen; Staubsaugerinhalt sofort entsorgen
- Flächendesinfektion: 1:10 Bleichlösung oder Enilconazol, wo geeignet
- Waschen von Textilien: Liegeplätze, Decken und Bezüge bei 60°C waschen
- Entsorgen stark kontaminierter Gegenstände: Teppiche, Kissen und Pflegematerial müssen eventuell ersetzt werden
- Belüftung: warme, feuchte, schlecht belüftete Räume begünstigen das Überleben von Pilzen
- Isolation: das infizierte Tier sollte in einem gut zu reinigenden Bereich untergebracht werden
- Händehygiene nach Kontakt: für alle betreuenden Personen essenziell
- Scheren des Fells: Ganzkörperschur wird nicht mehr routinemäßig empfohlen, gezieltes Kürzen um Läsionen kann bei Langhaarkatzen jedoch sinnvoll sein
- Andere Tiere im Haushalt: sollten auf Trägerschaft mittels Kultur untersucht werden
7. Ernährungsmedizinische Immununterstützung: Der VetKriter-Ansatz
VetKriter-Ernährungsprinzip
Die Ernährung ist nicht die Primärtherapie der Dermatophytose; eine antimykotische Behandlung ist zwingend erforderlich. Eine verbesserte Immunresilienz kann jedoch die Zeit bis zur Kontrolle der Infektion verkürzen und Rückfälle reduzieren. Tierheimkatzen, Jungtiere und immunsupprimierte Patienten profitieren besonders von ernährungsmedizinischer Unterstützung.
| Nährstoffkomponente | Immun- / Hautfunktion | Typische Quelle |
|---|---|---|
| Hochwertiges Protein | Unterstützt Immunglobulinsynthese, Keratinbildung und Gewebereparatur | Tierische Proteinquellen wie Huhn, Fisch und Lamm |
| Zink | T-Zell-Funktion, Keratinozytenproliferation und antifungale Abwehr | Zinkmethionin oder Zinkproteinat in chelatierter Form |
| Vitamin A | Unterstützt die Integrität der Epithelbarriere und die Schleimhautabwehr | Leber, Fischöle oder angereicherte Alleinfuttermittel |
| Vitamin E + Selen | Antioxidativer Schutz und Aktivierung von T-Zellen | Gemischte Tocopherole und ausgewählte Pflanzenöle |
| Omega-3 (EPA/DHA) | Entzündungsmodulation und Unterstützung der Hautbarrierereparatur | Fischöl und Lachsöl |
| Beta-Glucan | Immunmodulation und Makrophagenaktivierung mit Bedeutung für die antifungale Abwehr | Zellwand von Saccharomyces cerevisiae |
| Biotin (Vitamin B7) | Unterstützt Keratinsynthese und Haarneubildung | Leber, Eier und angereicherte Vollnahrung |
| Präbiotika (FOS/MOS) | Unterstützen das Darmmikrobiom mit nachgeschalteten systemischen Immunwirkungen | Zichorienwurzel und Mannan-Oligosaccharide |
8. Management der Dermatophytose im Tierheim
Tierheimprotokoll
Aufnahme und Screening:
- Neu aufgenommene Tiere sollten in Quarantäne mit Wood-Lampe und Pilzkultur untersucht werden
- Langhaarkatzen sollten mit der McKenzie-Bürstenkultur getestet werden
- Positive Tiere sollten in einer separaten Isolierstation behandelt werden
- Auch asymptomatische Träger sollten behandelt werden
Therapie und Nachkontrolle:
- Kombinierte systemische und topische Therapie ist zu bevorzugen
- Pilzkulturen zur Verlaufskontrolle sollten alle zwei Wochen wiederholt werden
- Die Behandlung wird erst nach zwei aufeinanderfolgenden negativen Kulturen beendet
- Die Umgebungsdekontamination muss täglich durchgeführt werden
- Pflegepersonal sollte zwischen Isolier- und Normalstation getrennte Kleidung verwenden
9. Prognose und Rezidivprophylaxe
- Immunkompetente adulte Tiere: gute Prognose; unter Therapie meist vollständige Ausheilung, teils selbstlimitierend über 3-5 Monate, wobei die Behandlung die Ausbreitung verhindert
- Jungtiere: sprechen meist gut an, jedoch besteht ein hohes Risiko der Ausbreitung im Tierheim
- Immunsupprimierte Tiere (FIV/FeLV): schwerer zu behandeln, rezidivanfällig und möglicherweise auf längere Antimykotika-Gabe angewiesen
- Rezidivprophylaxe: Umgebungsdekontamination, Stressreduktion, hochwertige Ernährung und Immununterstützung bleiben zentral
10. Quellen
- Moriello KA, et al. Diagnosis and treatment of dermatophytosis in dogs and cats — Clinical Consensus Guidelines of the WAAVD. Vet Dermatol. 2017;28(3):266-e68.
- Moriello KA. Feline Dermatophytosis: Aspects Pertinent to Disease Management in Single and Multiple Cat Situations. JFMS. 2014;16(5):419-431.
- DeBoer DJ, Moriello KA. Development of an experimental model of Microsporum canis infection in cats. Vet Microbiol. 1994;42(2-3):289-295.
- Newbury S, et al. Use of itraconazole and either lime sulphur or Malaseb Concentrate Rinse to treat shelter cats naturally infected with Microsporum canis. JFMS. 2011;13(10):701-707.
- Bond R. Superficial veterinary mycoses. Clin Dermatol. 2010;28(2):226-236.
- ABCD (European Advisory Board on Cat Diseases). Dermatophytosis in Cats Guidelines. 2023.
- WSAVA Global Nutrition Committee. Nutritional Assessment Guidelines. 2024.