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Dieser Inhalt wurde von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK auf Basis wissenschaftlicher Quellen erstellt.
Tiergesundheit

Dermatophytose bei Katzen und Hunden: Diagnostik, Behandlung und Kontrolle der Übertragung

Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK 07 März 2026 105 Aufrufe

Tierärztlicher Leitfaden zur Dermatophytose bei Katzen und Hunden mit Zoonoserisiko, Pilzkultur, Grenzen der Wood-Lampe, systemischer und topischer Therapie, Umgebungsdekontamination und ernährungsmedizinischer Immununterstützung.


Die Dermatophytose (Pilzinfektion, „Ringworm“) ist eine oberflächliche Mykose bei Katzen und Hunden, die vor allem durch Microsporum canis, Microsporum gypseum und Trichophyton mentagrophytes verursacht wird. Bei Katzen sind mehr als 90% der Fälle auf M. canis zurückzuführen. Dermatophytose ist in der Veterinärdermatologie eine wichtige Zoonose und kann auf Menschen übergehen, insbesondere auf Kinder und immunsupprimierte Personen. Katzen können asymptomatische Träger sein und die Umgebung unbemerkt kontaminieren. Dieser Beitrag behandelt Diagnostik, Therapieprotokolle, Umgebungsdekontamination und Strategien zur ernährungsmedizinischen Unterstützung des Immunsystems.

Zoonose-Warnung: Übertragung auf den Menschen
  • Dermatophytose ist auf den Menschen übertragbar, besonders auf Kinder, ältere Menschen und immunsupprimierte Personen
  • Beim Menschen verursacht sie häufig „Ringworm“, also ringförmige, gerötete, juckende Hautläsionen
  • Sowohl das infizierte Tier als auch die kontaminierte Umgebung sind Infektionsquellen
  • Treten gleichzeitig Hautveränderungen bei Familienmitgliedern auf, ist eine dermatologische Abklärung sinnvoll
  • Strikte Hygienemaßnahmen sind während der gesamten Behandlung unverzichtbar

1. Ätiologie: Wichtige Dermatophytenarten

Dermatophytenart Natürlicher Wirt Häufigkeit Charakteristika
Microsporum canis Katze (primärer Wirt) Katzen: >90%; Hunde: ~70% Häufigste Art; asymptomatische Trägerschaft bei Katzen ist häufig; Wood-Lampe in etwa 50% der Stämme positiv
Microsporum gypseum Boden (geophil) 5-10% Assoziiert mit Bodenkontakt; grabende oder draußen lebende Tiere; oft selbstlimitierend
Trichophyton mentagrophytes Nagetiere 5-10% Häufig mit Nagetierkontakt verbunden; kann tiefe entzündliche Läsionen wie Kerion verursachen

2. Übertragung und Risikofaktoren

Übertragungswege
  • Direkter Kontakt: infiziertes Tier auf gesundes Tier oder Mensch
  • Fomites: Kämme, Bürsten, Liegeplätze, Transportboxen, Teppiche und Möbel
  • Umweltkontamination: Arthrosporen können in der Umgebung 18-24 Monate lebensfähig bleiben
  • Asymptomatische Träger: Katzen, die trotz fehlender Läsionen Sporen ausscheiden
  • Bodenkontakt: besonders relevant bei M. gypseum
Risikofaktoren
  • Junge Tiere: das Immunsystem ist noch nicht vollständig ausgereift
  • Langhaarkatzen: Perser und Himalaya-Katzen haben hohe Trägerraten
  • Tierheime oder Mehrtierhaushalte: hohe Populationsdichte begünstigt die Ausbreitung
  • FIV-/FeLV-positive Katzen: Immunsuppression erhöht die Anfälligkeit
  • Stress und Mangelernährung: schwächen die Immunabwehr
  • Warmes, feuchtes Milieu: begünstigt das Überleben von Pilzen
  • Gestörte Hautbarriere: Wunden, Ekzeme und entzündete Haut erleichtern die Infektion
Asymptomatische Trägerschaft bei Katzen

Einige Katzen, insbesondere langhaarige Rassen, können M. canis-Sporen ohne klinische Läsionen tragen und dennoch die Umgebung kontaminieren. Das ist einer der Hauptgründe für die Ausbreitung in Tierheimen und Mehrkatzenhaushalten. Asymptomatische Träger werden typischerweise durch Pilzkultur identifiziert und sollten ebenfalls behandelt werden (Moriello et al., 2017).

3. Klinische Symptome

3.1 Klinisches Bild bei Katzen

Typische Läsionen
  • Runde, scharf begrenzte Alopezie: haarlose Areale mit grau-weißer Krustenbildung
  • Lokalisation: Gesicht, Ohren, Nase und distale Gliedmaßen sind typische Ausgangspunkte
  • Schuppung und Krusten: schuppenartige Hautveränderungen sind häufig
  • Juckreiz: meist gering, sofern keine sekundäre bakterielle Infektion vorliegt
  • Nagelbeteiligung: Onychomykose mit brüchigen oder deformierten Krallen
Atypische Formen bei Katzen
  • Miliäre Dermatitis: diffuse kleine Krusten, die einer allergischen Dermatitis ähneln können
  • Asymptomatische Trägerschaft: keine Läsionen trotz positiver Kultur
  • Pseudomycetom: seltenes dermatophytisches Granulom, insbesondere bei Perserkatzen
  • Generalisierte Erkrankung: wahrscheinlicher bei FIV-/FeLV-positiven Katzen

3.2 Klinisches Bild bei Hunden

  • Fokale Alopezie: runde, verkrustete haarlose Areale
  • Kerion: entzündliche, geschwollene, schmerzhafte Läsionen, besonders bei T. mentagrophytes
  • Follikulitis: auf Haarfollikel zentrierte Infektion
  • Onychomykose: Pilzinfektion der Krallen
  • Yorkshire Terrier: als prädisponierte Rasse mit potenziell schwererem Verlauf bekannt

4. Diagnostische Methoden

Methode Beschreibung Zuverlässigkeit Klinischer Hinweis
Wood-Lampen-Untersuchung UV-Licht zur Erkennung einer apfelgrünen Fluoreszenz mancher M. canis-Infektionen Niedrig bis mittel Nur etwa 50% der M. canis-Stämme fluoreszieren; falsch negative Befunde sind häufig, und Schuppen oder topische Präparate können falsch positive Befunde erzeugen
Pilzkultur (DTM) Anzüchtung auf Dermatophyte Test Medium Goldstandard Resultate nach 7-21 Tagen; ermöglicht Artidentifikation und Erfassung asymptomatischer Träger
PCR Nachweis dermatophytischer DNA Hoch Schneller Befund, kann jedoch lebende von toten Organismen nicht unterscheiden; für Therapiekontrolle nur eingeschränkt geeignet
Direkte Mikroskopie (KOH) Beurteilung von Arthrosporen auf Haaren und Schuppenmaterial Mittel Schnell, aber stark untersucherabhängig; ein negativer Befund schließt die Infektion nicht aus
Trichogramm Mikroskopische Untersuchung gezupfter Haare Mittel Ektothrix-Arthrosporen können sichtbar sein, erfordert aber Erfahrung
McKenzie-Bürstentechnik Haarentnahme mit steriler Zahnbürste und anschließende Kultur Hoch Besonders wertvoll für das Screening asymptomatischer Trägerschaft, vor allem bei Katzen
Die Wood-Lampen-Falle

Die Wood-Lampe wird häufig eingesetzt, aber ihre Zuverlässigkeit ist begrenzt. Nur etwa die Hälfte der M. canis-Stämme fluoresziert, und andere Dermatophytenarten fluoreszieren in der Regel nicht. Schuppen, topische Medikamente und Textilfasern können falsch positive Resultate erzeugen. Ein negativer Wood-Lampen-Befund schließt Dermatophytose nicht aus; die Diagnose sollte letztlich immer durch Pilzkultur bestätigt werden.

5. Therapieprotokoll

Die dreiteilige Therapiestrategie

Eine erfolgreiche Dermatophytose-Behandlung beruht auf drei Säulen, die gemeinsam umgesetzt werden sollten.

1. Systemische Antimykotika

Orales Itraconazol oder Terbinafin über mindestens 6-8 Wochen oder bis zur Kulturkonversion

2. Topische Therapie

Antimykotische Shampoos wie 2% Miconazol + 2% Chlorhexidin oder Kalkschwefel-Dips, meist zweimal wöchentlich

3. Umgebungsdekontamination

Die Entfernung infektiöser Sporen aus der Umgebung ist essenziell für den Therapieerfolg

5.1 Systemische Antimykotika

Wirkstoff Dosis Dauer Klinischer Hinweis
Itraconazol 5 mg/kg/Tag bei Katzen und Hunden Mindestens 6-8 Wochen; Pulstherapie möglich (1 Woche Therapie, 1 Woche Pause) Erstlinientherapie; Kontrolle der Leberenzyme ist sinnvoll; Gabe mit dem Futter
Terbinafin 30-40 mg/kg/Tag bei Katzen; 20-30 mg/kg bei Hunden Mindestens 6-8 Wochen Alternative zu Itraconazol; bei Katzen oft gut verträglich und mit weniger Wechselwirkungen verbunden
Griseofulvin 25-50 mg/kg/Tag Langzeitbehandlung Älterer Wirkstoff mit mehr Nebenwirkungen, darunter Knochenmarksuppression; bei FIV-positiven Katzen kontraindiziert und teratogen in der Trächtigkeit

5.2 Kriterien für die Beendigung der Therapie

Wann ist die Behandlung beendet?

Die Therapie wird nicht bei klinischer Besserung, sondern erst bei negativer Pilzkultur beendet. Es sollten mindestens zwei aufeinanderfolgende negative Kulturen im Abstand von zwei Wochen vorliegen. Ein zu frühes Absetzen ist eine häufige Rezidivursache. Die durchschnittliche Behandlungsdauer liegt bei 6-12 Wochen, einzelne Fälle benötigen jedoch länger.

6. Umgebungsdekontamination

Dermatophyten-Arthrosporen können in der Umgebung 18-24 Monate lebensfähig bleiben. Ohne Dekontamination der Umgebung scheitert die Therapie häufig.

Dekontaminationsprotokoll
  • Tägliches Staubsaugen: entfernt Haare und Sporen; Staubsaugerinhalt sofort entsorgen
  • Flächendesinfektion: 1:10 Bleichlösung oder Enilconazol, wo geeignet
  • Waschen von Textilien: Liegeplätze, Decken und Bezüge bei 60°C waschen
  • Entsorgen stark kontaminierter Gegenstände: Teppiche, Kissen und Pflegematerial müssen eventuell ersetzt werden
  • Belüftung: warme, feuchte, schlecht belüftete Räume begünstigen das Überleben von Pilzen
Management des infizierten Tieres
  • Isolation: das infizierte Tier sollte in einem gut zu reinigenden Bereich untergebracht werden
  • Händehygiene nach Kontakt: für alle betreuenden Personen essenziell
  • Scheren des Fells: Ganzkörperschur wird nicht mehr routinemäßig empfohlen, gezieltes Kürzen um Läsionen kann bei Langhaarkatzen jedoch sinnvoll sein
  • Andere Tiere im Haushalt: sollten auf Trägerschaft mittels Kultur untersucht werden

7. Ernährungsmedizinische Immununterstützung: Der VetKriter-Ansatz

VetKriter-Ernährungsprinzip

Die Ernährung ist nicht die Primärtherapie der Dermatophytose; eine antimykotische Behandlung ist zwingend erforderlich. Eine verbesserte Immunresilienz kann jedoch die Zeit bis zur Kontrolle der Infektion verkürzen und Rückfälle reduzieren. Tierheimkatzen, Jungtiere und immunsupprimierte Patienten profitieren besonders von ernährungsmedizinischer Unterstützung.

Nährstoffkomponente Immun- / Hautfunktion Typische Quelle
Hochwertiges Protein Unterstützt Immunglobulinsynthese, Keratinbildung und Gewebereparatur Tierische Proteinquellen wie Huhn, Fisch und Lamm
Zink T-Zell-Funktion, Keratinozytenproliferation und antifungale Abwehr Zinkmethionin oder Zinkproteinat in chelatierter Form
Vitamin A Unterstützt die Integrität der Epithelbarriere und die Schleimhautabwehr Leber, Fischöle oder angereicherte Alleinfuttermittel
Vitamin E + Selen Antioxidativer Schutz und Aktivierung von T-Zellen Gemischte Tocopherole und ausgewählte Pflanzenöle
Omega-3 (EPA/DHA) Entzündungsmodulation und Unterstützung der Hautbarrierereparatur Fischöl und Lachsöl
Beta-Glucan Immunmodulation und Makrophagenaktivierung mit Bedeutung für die antifungale Abwehr Zellwand von Saccharomyces cerevisiae
Biotin (Vitamin B7) Unterstützt Keratinsynthese und Haarneubildung Leber, Eier und angereicherte Vollnahrung
Präbiotika (FOS/MOS) Unterstützen das Darmmikrobiom mit nachgeschalteten systemischen Immunwirkungen Zichorienwurzel und Mannan-Oligosaccharide

8. Management der Dermatophytose im Tierheim

Tierheimprotokoll

Aufnahme und Screening:

  • Neu aufgenommene Tiere sollten in Quarantäne mit Wood-Lampe und Pilzkultur untersucht werden
  • Langhaarkatzen sollten mit der McKenzie-Bürstenkultur getestet werden
  • Positive Tiere sollten in einer separaten Isolierstation behandelt werden
  • Auch asymptomatische Träger sollten behandelt werden

Therapie und Nachkontrolle:

  • Kombinierte systemische und topische Therapie ist zu bevorzugen
  • Pilzkulturen zur Verlaufskontrolle sollten alle zwei Wochen wiederholt werden
  • Die Behandlung wird erst nach zwei aufeinanderfolgenden negativen Kulturen beendet
  • Die Umgebungsdekontamination muss täglich durchgeführt werden
  • Pflegepersonal sollte zwischen Isolier- und Normalstation getrennte Kleidung verwenden

9. Prognose und Rezidivprophylaxe

  • Immunkompetente adulte Tiere: gute Prognose; unter Therapie meist vollständige Ausheilung, teils selbstlimitierend über 3-5 Monate, wobei die Behandlung die Ausbreitung verhindert
  • Jungtiere: sprechen meist gut an, jedoch besteht ein hohes Risiko der Ausbreitung im Tierheim
  • Immunsupprimierte Tiere (FIV/FeLV): schwerer zu behandeln, rezidivanfällig und möglicherweise auf längere Antimykotika-Gabe angewiesen
  • Rezidivprophylaxe: Umgebungsdekontamination, Stressreduktion, hochwertige Ernährung und Immununterstützung bleiben zentral

10. Quellen

  1. Moriello KA, et al. Diagnosis and treatment of dermatophytosis in dogs and cats — Clinical Consensus Guidelines of the WAAVD. Vet Dermatol. 2017;28(3):266-e68.
  2. Moriello KA. Feline Dermatophytosis: Aspects Pertinent to Disease Management in Single and Multiple Cat Situations. JFMS. 2014;16(5):419-431.
  3. DeBoer DJ, Moriello KA. Development of an experimental model of Microsporum canis infection in cats. Vet Microbiol. 1994;42(2-3):289-295.
  4. Newbury S, et al. Use of itraconazole and either lime sulphur or Malaseb Concentrate Rinse to treat shelter cats naturally infected with Microsporum canis. JFMS. 2011;13(10):701-707.
  5. Bond R. Superficial veterinary mycoses. Clin Dermatol. 2010;28(2):226-236.
  6. ABCD (European Advisory Board on Cat Diseases). Dermatophytosis in Cats Guidelines. 2023.
  7. WSAVA Global Nutrition Committee. Nutritional Assessment Guidelines. 2024.
Tags: Dermatofitoz Mantar Microsporum Ringworm Katze hund Zoonoz Wood Lambası Antifungal Dekontaminasyon

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