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Dieser Inhalt wurde von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK auf Basis wissenschaftlicher Quellen erstellt.
Mastrinder

Ernährungsprogramm für Mastkälber: Anpassungs-, Aufzucht- und Endmastphase

Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK 18 Februar 2026 146 Aufrufe

Praxisleitfaden zur Fütterung von Mastrindern mit Anpassungs-, Aufzucht- und Endmastphase, FCR-Optimierung, Zusatzstoffen, Management metabolischer Risiken, Wasserversorgung und Schlachtzeitpunkt.


Ökonomische Realität

In der Rindermast entfallen 65-75 % der Gesamtkosten auf die Fütterung. Bereits eine Verbesserung der Futterverwertung (FCR) um 0,5 Punkte kann über eine Mastdauer von 300 Tagen einen deutlichen wirtschaftlichen Vorteil schaffen.

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1. Definition der Mastphasen und ihre physiologischen Grundlagen

Der Mastverlauf lässt sich entsprechend der physiologischen Entwicklungsphase des Tieres und der Priorität der Gewebeeinlagerung in drei Hauptphasen gliedern. Das Verständnis dieser Phasen ist die Grundlage einer belastbaren Rationsgestaltung. Das von Owens et al. (1995) beschriebene Wachstumskurvenmodell zeigt, dass die Gewebeeinlagerung in der Reihenfolge Knochen → Muskel → Fett verläuft.

Anpassungsphase (0-28 Tage)
  • Ziel: Rumenanpassung und Stresskontrolle
  • TM-Aufnahme: 1,5-2,0 % des Körpergewichts
  • Kraftfutteranteil: 30-50 % mit schrittweiser Steigerung
  • Ziel-TZG: 0,5-1,0 kg/Tag
  • Kritische Risiken: BRD, Azidose, Tympanie
  • Vorherrschende Gewebeeinlagerung: Knochen > Muskel
Aufzuchtphase (29-120 Tage)
  • Ziel: Skelett- und Muskelentwicklung
  • TM-Aufnahme: 2,2-2,8 % des Körpergewichts
  • Kraftfutteranteil: 55-70 %
  • Ziel-TZG: 1,2-1,6 kg/Tag
  • Proteinbedarf: Höchster Wert im gesamten Programm
  • Vorherrschende Gewebeeinlagerung: Muskel > Knochen > Fett
Endmastphase (ab Tag 121)
  • Ziel: Fettansatz und Schlachtkörperqualität
  • TM-Aufnahme: 2,0-2,5 % des Körpergewichts
  • Kraftfutteranteil: 75-90 %
  • Ziel-TZG: 1,4-1,8 kg/Tag
  • Energiebedarf: Höchster Bedarf der gesamten Mast
  • Vorherrschende Gewebeeinlagerung: Fett > Muskel

1.1 Physiologie der Gewebeeinlagerung und Energieverteilung

Das Wachstum beim Rind wird durch das Zusammenspiel von genetischem Potenzial und Nährstoffversorgung geprägt. Zu Beginn der Mast wird Energie vor allem für die Proteindeposition (Muskelaufbau) genutzt; später wird sie zunehmend in die Lipogenese (Fetteinlagerung) umgelenkt. Dieser physiologische Übergang ist die wissenschaftliche Grundlage dafür, Energie- und Proteindichte der Ration phasenabhängig anzupassen (NRC, 2000; NASEM, 2016).

Effizienz der Energienutzung (NASEM, 2016)
Gewebetyp Energiegehalt (Mcal/kg) Syntheseeffizienz Bedeutung je Mastphase
Muskel (Protein) 5,7 Mcal/kg Protein 20-30 % (niedrig) Vor allem frühe bis mittlere Mastphase
Fett (Lipid) 9,4 Mcal/kg Fett 60-75 % (hoch) Vor allem späte Mastphase
Knochen Niedrig Variabel Sehr frühe Wachstumsphase

Die Fettsynthese ist energetisch effizienter als die Proteinsynthese. Deshalb verbessert sich die FCR in der Endmast oft, während sich die Zusammensetzung des Zuwachses in Richtung Fettansatz verschiebt.

2. Fütterung in der Anpassungsphase (0-28 Tage)

Die Anpassungsphase legt den Grundstein für den Erfolg der gesamten Mast. Fehler in diesem Zeitraum können den gesamten weiteren Verlauf beeinträchtigen. Neu eingestallte Tiere stehen unter Transportstress, Umweltwechsel und sozialem Stress. Das Risiko für respiratorische Erkrankungskomplexe (BRD) ist in dieser Phase am höchsten (Duff & Galyean, 2007).

2.1 Rationsstrategie in der Anpassungsphase

Goldene Regel: Langsame Umstellung

Der Kraftfutteranteil sollte pro Woche nicht um mehr als 10-15 Prozentpunkte erhöht werden. Zu abrupte Steigerungen können Pansenazidose, Futterverweigerung und sogar Verluste verursachen. Die Anpassungsphase sollte mindestens 21-28 Tage dauern und idealerweise als 4-stufiges Rationsprogramm geführt werden.

Stufe Tage Kraftfutter (% TM) Raufutter (% TM) NEm (Mcal/kg) RP (% TM)
Stufe 1 1-7 30-35 65-70 1,40-1,50 13-14
Stufe 2 8-14 45-50 50-55 1,55-1,65 13-14
Stufe 3 15-21 60-65 35-40 1,70-1,80 12-13
Stufe 4 22-28 70-75 25-30 1,85-1,95 12-13

2.2 Kritische Managementpunkte in der Anpassungsphase

Gesundheitsmanagement
  • BRD-Prophylaxe: Einstallungsimpfung gegen IBR, BVD, PI3, BRSV, Mannheimia und Pasteurella, wenn betrieblich angezeigt
  • Parasitenkontrolle: Breitspektrum-Antiparasitika wie Ivermectin oder Doramectin
  • Metaphylaxe: Antibiotikastrategien bei Hochrisikogruppen nur nach Risikobewertung
  • Tägliche Beobachtung: Nasenausfluss, Husten, Fressunlust, Apathie
  • Rektaltemperatur: ≥40 °C sollte das Behandlungsprotokoll auslösen
Wasser- und Futterzugang
  • Wasser: Sofortiger Zugang zu sauberem Trinkwasser nach Ankunft
  • Erstes Futter: Hochwertiges Heu, z. B. Luzerne- oder Grasheu
  • Kraftfutterstart: Ab Tag 2 oder 3 schrittweise einführen
  • Fressplatzbreite: Mindestens 45-60 cm pro Tier
  • Tränkestellen: Eine Tränkestelle pro 15-20 Tiere
Anpassung der Pansenmikrobiota

Bei zuvor raufutterbetonten Rationen dominieren im Pansen vor allem zellulolytische Bakterien wie Fibrobacter und Ruminococcus. Mit dem Übergang auf kraftfutterreiche Rationen vermehren sich amylolytische Bakterien wie Streptococcus bovis und Lactobacillus, und die Laktatbildung steigt. Die Resorptionskapazität der Pansenpapillen für flüchtige Fettsäuren verbessert sich jedoch erst innerhalb von 4-6 Wochen. Eine zu frühe Hochkonzentratfütterung kann deshalb akute oder subakute Pansenazidose auslösen (Nagaraja & Titgemeyer, 2007).

3. Fütterung in der Aufzuchtphase (29-120 Tage)

Die Aufzuchtphase ist der Zeitraum, in dem die Skelettentwicklung weitgehend abgeschlossen wird und die Muskeldeposition ihren Höhepunkt erreicht. In dieser Phase sind Proteinqualität und Proteinmenge besonders wichtig, weil der Muskelaufbau eine ausreichende und ausgewogene Versorgung mit Aminosäuren erfordert. Ein Energiemangel begrenzt den Muskelzuwachs, während eine überhöhte Energiedichte zu vorzeitiger Verfettung und geringerer Schlachtkörperqualität führen kann (Owens et al., 1995).

3.1 Nährstoffbedarf in der Aufzuchtphase

Parameter Zielwert (NASEM, 2016) Erläuterung
NEm 1,80-2,00 Mcal/kg TM Mittlere bis hohe Energiedichte
NEg 1,15-1,35 Mcal/kg TM Nettoenergie für Wachstum
RP 12,5-14,0 % TM Ausreichendes Protein für Muskelentwicklung
MP (metabolisierbares Protein) 800-1000 g/Tag Das Verhältnis RDP:RUP ist entscheidend
RDP 60-65 % des Rohproteins Unterstützt die mikrobielle Proteinsynthese im Pansen
RUP 35-40 % des Rohproteins Bypass-Protein ist bei jungen Tieren besonders relevant
NDF 18-25 % TM Minimale effektive Faser für die Pansenfunktion
Ca 0,50-0,70 % TM Wichtig für die Skelettentwicklung
P 0,30-0,40 % TM Zielwert für Ca:P = 1,5-2,0:1

3.2 Proteinquellen und Proteinqualität

In der Aufzuchtphase beeinflusst die Proteinqualität den Magerzuwachs direkt. Junge Masttiere haben einen hohen Bedarf an metabolisierbarem Protein (MP), und die Aminosäurenbilanz gewinnt an Bedeutung. Lysin und Methionin gehören unter Praxisbedingungen häufig zu den limitierenden Aminosäuren (Klemesrud et al., 2000).

Hochwertige Proteinquellen
  • Sojaextraktionsschrot (48 % RP): Referenzproteinquelle mit hohem ruminal abbaubarem Protein
  • Baumwollsaatextraktionsschrot: Mittlere Qualität; Gossypol im Blick behalten
  • Sonnenblumenextraktionsschrot: Gute Aminosäurenstruktur
  • DDGS: Hoher RUP-Anteil, liefert Energie und Protein
  • Blutmehl: Sehr hoher RUP-Anteil, starke Lysinquelle
  • Fischmehl: Hochwertig und methioninreich
Einsatz von NPN (Nicht-Protein-Stickstoff)
  • Harnstoff: Sollte 1 % der Gesamtration auf TM-Basis nicht überschreiten
  • Obergrenze: Höchstens 30 % des gesamten N dürfen aus NPN stammen
  • Voraussetzung: Es muss ausreichend fermentierbare Energie vorhanden sein
  • Vorsicht: In der Anpassungsphase keinen Harnstoff einsetzen
  • Toxizitätsrisiko: >0,5 g/kg Körpergewicht können zur Ammoniakvergiftung führen
  • Langsam freisetzender Harnstoff: In manchen Endmastsystemen die sicherere Alternative

4. Fütterung in der Endmastphase (ab Tag 121)

Die Endmast ist die letzte Phase, in der der Fettansatz beschleunigt wird und die Schlachtkörperqualität weitgehend festgelegt wird. In diesem Abschnitt wird die Energiedichte der Ration auf ihr Maximum angehoben, während der Proteingehalt relativ reduziert wird. Ziel ist es, die intramuskuläre Fetteinlagerung (Marbling) zu erhöhen und damit die Handelsklasse des Schlachtkörpers zu verbessern (Owens & Gardner, 2000).

4.1 Nährstoffbedarf in der Endmastphase

Parameter Zielwert Erläuterung
NEm 2,05-2,20 Mcal/kg TM Hohe Energiedichte
NEg 1,35-1,55 Mcal/kg TM Hohe Nettoenergie für den Fettansatz
RP 11,5-13,0 % TM Relativer Proteinbedarf sinkt
NDF 12-18 % TM (Minimum) Kritische Untergrenze für die Pansengesundheit
Kraftfutteranteil 75-90 % TM Getreidereiche, energiedichte Fütterung
Fett 3-6 % TM gesamt Kann über DDGS oder Fettzusätze gestützt werden
Ca 0,50-0,70 % TM Bei getreidereichen Rationen Ca:P eng überwachen
K 0,60-0,70 % TM Kann bei hochkonzentrierten Rationen knapp werden

4.2 Getreideaufbereitung und Stärkedigestibilität

In der Endmast macht Getreide häufig 60-75 % der Ration aus. Die Art der Getreideaufbereitung beeinflusst die Stärkeverdaulichkeit und damit den energetischen Wert der Ration unmittelbar. Owens et al. (1997) zeigten, dass das Dampfflockieren die Stärkeverdaulichkeit von Mais um 15-20 % steigern kann.

Verfahren der Getreideaufbereitung Stärkeverdaulichkeit Einfluss auf die FCR Azidoserisiko
Ganzkorn 70-80 % Referenz Niedrig
Trocken walzen/brechen 80-88 % 3-5 % Verbesserung Mittel
Fein mahlen 88-95 % 5-8 % Verbesserung Hoch
Dampfflockierung 92-98 % 8-12 % Verbesserung Mittel bis niedrig
Feuchtkonserviertes Korn 90-96 % 6-10 % Verbesserung Mittel bis hoch
Getreideauswahl unter türkischen Bedingungen

In türkischen Mastsystemen sind Gerste und Weizen die häufigsten Getreidequellen. Gerste fermentiert langsamer als Mais und ist deshalb meist mit einem geringeren Azidoserisiko verbunden. Weizen fermentiert hingegen sehr schnell und trägt ein hohes Azidoserisiko; er sollte in der Regel unter 40 % der Ration bleiben und nur gequetscht oder grob geschrotet eingesetzt werden. Wird Mais verwendet, reicht Walzen oder grobes Brechen meist aus; zu feines Vermahlen erhöht das Azidoserisiko.

5. Futterverwertung (FCR) und Optimierung

Die FCR (Feed Conversion Ratio) beschreibt die Futtermenge, die für 1 kg Lebendmassezuwachs benötigt wird, und ist eine der wichtigsten Kennzahlen der Mastökonomie. Eine niedrigere FCR bedeutet eine höhere biologische und wirtschaftliche Effizienz.

Berechnung der FCR
FCR = Gesamtfutteraufnahme (kg TM) ÷ Gesamtlebendmassezuwachs (kg)

Beispiel: Verbraucht ein Masttier in 300 Tagen 2400 kg TM und nimmt 450 kg Lebendgewicht zu, ergibt sich eine FCR von 2400/450 = 5,33.

Mastphase Ziel-FCR Ziel-TZG (kg/Tag) Wichtige Einflussfaktoren
Anpassung 7,0-9,0 0,5-1,0 Stress, geringe TM-Aufnahme, Krankheit
Aufzucht 5,5-7,0 1,2-1,6 Proteinqualität, Energiedichte
Endmast 5,0-6,5 1,4-1,8 Energiedichte, Rasse, Geschlecht
Gesamte Mast 5,5-7,0 1,2-1,5 (im Mittel) Rasse, Anfangsgewicht, Mastdauer

5.1 Faktoren, die die FCR beeinflussen

Faktoren, die die FCR verbessern
  • Ionophoreinsatz: Monensin kann die FCR um 5-8 % verbessern
  • Getreideaufbereitung: Dampfflockierung kann die FCR um 8-12 % senken
  • Genetische Selektion: Tiere mit niedriger Residual Feed Intake (RFI)
  • Optimale Proteinversorgung: MP-Bedarf wird konsequent gedeckt
  • Gesundheitsmanagement: BRD kann die FCR um 15-20 % verschlechtern
  • Umweltkomfort: Kontrolle von THI und Hitzelast
Faktoren, die die FCR verschlechtern
  • Krankheiten: BRD, Azidose, Lahmheit
  • Hitzestress: THI >74 senkt die TM-Aufnahme und verschlechtert die FCR
  • Kältestress: <−10 °C erhöht den Erhaltungsbedarf
  • Zu lange Mastdauer: Späte Verfettung verschlechtert die Effizienz
  • Unzureichende Wasserversorgung: TM-Aufnahme und Tageszunahmen gehen zurück
  • Sozialer Stress: Überbelegung und häufiges Umstallen
Einfluss von Rasse und Geschlecht
  • Fleischrassen: Angus, Hereford erreichen häufig FCR-Werte von 5,0-6,0
  • Zweinutzungsrassen: Simmental häufig 5,5-6,5
  • Milchrassen: Holstein häufig 6,5-8,0
  • Unkastrierte männliche Tiere: Meist 10-15 % effizienter
  • Ochsen: Häufig bessere Marmorierung
  • Färsen: Tendenziell höchste FCR und frühere Verfettung

6. Futterzusatzstoffe und wachstumsunterstützende Strategien

6.1 Ionophore

Ionophore wie Monensin und Lasalocid sind antibiotikaähnliche Zusatzstoffe, die die Pansenfermentation so verändern, dass mehr Propionat gebildet und Methanverluste reduziert werden. Sie gehören zu den am häufigsten eingesetzten Zusatzstoffen in der kommerziellen Rindermast (Duffield et al., 2012).

Ionophor Dosis Wirkmechanismus Erwarteter Effekt
Monensin (Rumensin®) 25-33 mg/kg TM (200-360 mg/Tier/Tag) Hemmung Gram-positiver Bakterien → Propionat ↑, Acetat ↓, Methan ↓ FCR ↓ um 5-8 %, geringeres Azidose- und Tympanierisiko
Lasalocid (Bovatec®) 25-33 mg/kg TM Monensin-ähnlich, etwas breiteres Wirkungsspektrum FCR ↓ um 4-6 %, meist geringerer Einfluss auf die TM-Aufnahme

6.2 Weitere Zusatzstoffe

Zusatzstoff Dosis Hauptwirkung Evidenzlage
Lebendhefe (S. cerevisiae) 1-5 × 10⁹ KBE/Tag Stabilisiert den Pansen-pH und kann die Faserverdauung verbessern Stark, besonders in der Anpassungsphase
Natriumbicarbonat 0,5-1,0 % TM (50-100 g/Tag) Pansenpufferung, Vorbeugung gegen SARA Stark
Tylosinphosphat 8-10 g/Tonne Futter Hilft, das Auftreten von Leberabszessen zu senken Stark bei hochkonzentrierten Rationen
β-Agonisten (Zilpaterol, Ractopamin) Je nach Land unterschiedlich Muskelansatz ↑, Fettansatz ↓ Stark, aber in der Türkei nicht zulässig
Ätherische Öle Produktabhängig Antimikrobielle Effekte und Modulation der Pansenfermentation Mittel; als Antibiotika-Alternative untersucht
Tannine 1-3 % TM Proteinschutz, Methan ↓, antiparasitäre Unterstützung Mittel bis stark
Rechtlicher Status in der Türkei

In der Türkei sind β-Agonisten wie Zilpaterol und Ractopamin sowie hormonelle Wachstumsförderer verboten. Ionophore wie Monensin und Lasalocid dürfen unter tierärztlicher Verschreibung verwendet werden. Antibiotische Leistungsförderer wurden analog zur EU-Gesetzgebung verboten. Lebendhefen, Puffer und ätherische Öle können im Rahmen der jeweiligen Produktzulassung freier eingesetzt werden.

7. Management metabolischer Risiken

7.1 Pansenazidose

Die Pansenazidose gehört zu den häufigsten und kostspieligsten Stoffwechselstörungen in der Rindermast. Sie ist durch einen Abfall des Pansen-pH infolge rascher Fermentation hochkonzentrierter Rationen gekennzeichnet (Nagaraja & Lechtenberg, 2007).

Akute Pansenazidose
  • Pansen-pH: <5,0
  • Ursache: Plötzliche hohe Getreideaufnahme
  • Klinische Zeichen: Inappetenz, Durchfall, Dehydratation, Schock
  • Komplikationen: Laminitis, Leberabszesse, Rumenitis
  • Mortalität: Häufig 5-10 %, ohne Behandlung höher
  • Therapie: Pansenspülung, i.v.-Flüssigkeit, Bicarbonat und intensive Stabilisierung
Subakute Pansenazidose (SARA)
  • Pansen-pH: 5,0-5,5 über mehr als 3 Stunden pro Tag
  • Ursache: Chronisch kraftfutterreiche Rationen mit unzureichender effektiver Faser
  • Klinische Zeichen: Schwankende Futteraufnahme, weicher Kot, Lahmheit
  • Komplikationen: Leberabszesse und Laminitis sind häufig
  • Ökonomischer Schaden: TZG ↓ um 10-15 %, FCR-Verschlechterung um 10-20 %
  • Vorbeugung: Effektive Faser, Puffer und Ionophore

7.2 Leberabszesse

Leberabszesse treten bei hochkonzentriert gefütterten Masttieren mit einer Prävalenz von 15-30 % auf. Der typische pathophysiologische Ablauf lautet Rumenitis → portale Bakteriämie → hepatische Abszessbildung. Fusobacterium necrophorum und Trueperella pyogenes werden am häufigsten isoliert (Nagaraja & Chengappa, 1998).

Strategien zur Vorbeugung von Leberabszessen
  • Ausreichend effektive NDF: Mindestens 8-10 % physikalisch wirksame NDF
  • Tylosinphosphat: 8-10 g/Tonne Futter, soweit zulässig und verschrieben
  • Schrittweise Rationsumstellung: Strikte Einhaltung des Step-up-Programms
  • Ionophore: Zusätzliche Unterstützung der pH-Stabilität im Pansen
  • Fütterungsmanagement: Mindestens zweimal tägliche, zeitlich konstante Vorlage

7.3 Tympanie

Notfall: Feedlot-Tympanie

Schaumige Tympanie kann in kraftfutterreichen Mastsystemen auftreten.

  • Ursache: Fein vermahlenes Getreide, zu wenig Raufutter und stabile Schaumbildung im Panseninhalt
  • Akutbehandlung: Orales Poloxalen (25-50 g), Trokarisierung nur im lebensbedrohlichen Notfall
  • Vorbeugung: Poloxalen (Bloat Guard®) 1-2 g/Tier/Tag, ausreichend Raufutter und Unterstützung durch Ionophore
  • Partikellänge des Raufutters: >2,5 cm; zu fein gehäckseltes Raufutter schützt nicht ausreichend

8. Praktische Rationsbeispiele für die Mast

8.1 Ration für die Anpassungsphase (300 kg Mastkalb, Stufe 2)

Futtermittel Menge (kg TM/Tag) Anteil (% TM)
Maissilage 2,5 36
Heu (Gras oder Luzerne) 1,0 14
Gerste, gebrochen 2,0 29
Sojaextraktionsschrot 0,8 11
Melasse 0,2 3
Vitamin-Mineral-Premix 0,15 2
Natriumbicarbonat 0,05 0,7
GESAMT ~7,0 kg TM

NEm: ~1,60 Mcal/kg TM | RP: ~13,5 % | NDF: ~32 % | Kraftfutter: ~45 %

8.2 Ration für die Endmast (450 kg Masttier)

Futtermittel Menge (kg TM/Tag) Anteil (% TM)
Gerste, gebrochen 5,0 45
Mais, gebrochen 2,0 18
Maissilage 1,5 14
Weizenstroh, gehäckselt 0,5 5
Sojaextraktionsschrot 1,0 9
Melasse 0,3 3
Vitamin-Mineral-Premix 0,20 2
Natriumbicarbonat 0,10 0,9
Monensin-Premix 0,03 0,3
GESAMT ~11,0 kg TM

NEm: ~2,05 Mcal/kg TM | RP: ~12,5 % | NDF: ~18 % | Kraftfutter: ~80 %

9. Parameter zur Überwachung der Mastleistung

Parameter Messmethode Zielwert Alarmschwelle Häufigkeit
TZG Wiegung alle 14-28 Tage 1,3-1,6 kg/Tag <1,0 kg/Tag Alle 2-4 Wochen
TM-Aufnahme Kontrolle am Futtertisch 2,2-2,8 % des Körpergewichts Rückgang um mehr als 10 % Täglich
FCR TM-Aufnahme/TZG 5,5-7,0 >8,0 Monatliche Berechnung
Kot-Score Visuelle Beurteilung (Skala 1-5) 3,0-3,5 <2,5 (Durchfall) oder >4,0 (Obstipation) Tägliche Beobachtung
Morbiditätsrate Anzahl kranker Tiere / Gesamtgruppe <10 % (Anpassung), <3 % (Hauptmast) >15 % (Anpassung), >5 % (Hauptmast) Wöchentlich
Mortalitätsrate Anzahl verendeter Tiere / Gesamtgruppe <1,5 % (gesamte Mast) >2,0 % Kumulativ
Leberabszessrate Rückmeldung vom Schlachthof <10 % >20 % Je Charge

10. Schlachtzeitpunkt und optimale Mastdauer

Der optimale Schlachtzeitpunkt ist erreicht, wenn Grenzkosten und Grenzerlös übereinstimmen. Mit zunehmender Mastdauer sinken die Tageszunahmen, die FCR verschlechtert sich, und der Fettansatz nimmt zu. Ab diesem Punkt verliert die weitere Mast an Wirtschaftlichkeit (Owens et al., 1995).

Tierkategorie Startgewicht Zielschlachtgewicht Optimale Mastdauer Ziel-Schlachtausbeute
Männliche Fleischrasse 250-300 kg 550-650 kg 180-240 Tage 58-62 %
Männliche Zweinutzungsrasse 250-300 kg 500-600 kg 200-270 Tage 54-58 %
Männliche Milchrasse (Holstein) 200-250 kg 500-550 kg 270-330 Tage 50-54 %
Färse 200-250 kg 400-480 kg 180-240 Tage 52-56 %
Praktische Indikatoren für die Schlachtentscheidung
  • Rückenfettdicke: 8-12 mm per Ultraschall bei Fleischrassen, 6-10 mm bei Zweinutzungsrassen
  • Ribeye Area (REA): >75 cm² per Ultraschall bei Fleischrassen
  • TZG-Trend: Fällt das TZG in den letzten 30 Tagen unter 1,0 kg/Tag, sollte der Schlachtzeitpunkt geprüft werden
  • FCR-Trend: Steigt die FCR in den letzten 30 Tagen über 8,0, ist das wirtschaftliche Mastende oft erreicht
  • Marktlage: Auch Preisentwicklung für Lebendtiere und Schlachtkörper muss berücksichtigt werden

11. Wassermanagement

Wasser ist einer der am häufigsten unterschätzten, zugleich aber leistungsbestimmenden Nährstoffe in der Rindermast. Wasserrestriktion senkt die TM-Aufnahme und die Tageszunahmen sehr rasch. Nach NASEM (2016) nehmen Masttiere im Alltag häufig das 3- bis 5-Fache ihrer täglichen Trockenmasseaufnahme als Wasser auf.

Zielwerte für die Wasseraufnahme
Umgebungstemperatur Wasseraufnahme (L/Tier/Tag) Hinweis
<15 °C 25-35 Winterbedingungen; Frostgefahr überwachen
15-25 °C 35-50 Frühjahr/Herbst; meist ideale Bedingungen
25-35 °C 50-75 Sommer; Beginn von Hitzestress
>35 °C 75-100+ Starker Hitzestress; Tränkekapazität erhöhen

12. Literatur

  • Duff, G. C., & Galyean, M. L. (2007). Board-invited review: Recent advances in management of highly stressed, newly received feedlot cattle. Journal of Animal Science, 85(3), 823-840.
  • Duffield, T. F., et al. (2012). Meta-analysis of the effects of monensin in beef cattle on feed efficiency, body weight gain, and dry matter intake. Journal of Animal Science, 90(12), 4583-4592.
  • Galyean, M. L., et al. (2011). Board-invited review: Efficiency of converting feed to carcass weight in beef cattle. Journal of Animal Science, 89(12), 4116-4128.
  • Klemesrud, M. J., et al. (2000). Metabolizable methionine and lysine requirements of growing cattle. Journal of Animal Science, 78(1), 199-206.
  • Nagaraja, T. G., & Chengappa, M. M. (1998). Liver abscesses in feedlot cattle: A review. Journal of Animal Science, 76(1), 287-298.
  • Nagaraja, T. G., & Lechtenberg, K. F. (2007). Acidosis in feedlot cattle. Veterinary Clinics of North America: Food Animal Practice, 23(2), 333-350.
  • Nagaraja, T. G., & Titgemeyer, E. C. (2007). Ruminal acidosis in beef cattle: The current microbiological and nutritional outlook. Journal of Dairy Science, 90(E. Suppl.), E17-E38.
  • NASEM (National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine). (2016). Nutrient Requirements of Beef Cattle (8th rev. ed.). Washington, DC: The National Academies Press.
  • NRC (National Research Council). (2000). Nutrient Requirements of Beef Cattle (7th rev. ed., update 2000). Washington, DC: National Academy Press.
  • Owens, F. N., et al. (1995). Review of some aspects of growth and development of feedlot cattle. Journal of Animal Science, 73(10), 3152-3172.
  • Owens, F. N., et al. (1997). The effect of grain source and grain processing on performance of feedlot cattle: A review. Journal of Animal Science, 75(3), 868-879.
  • Owens, F. N., & Gardner, B. A. (2000). A review of the impact of feedlot management and nutrition on carcass measurements of feedlot cattle. Journal of Animal Science, 77(E-Suppl), 1-18.
  • Zinn, R. A., et al. (2002). Feeding value of selected cereal grains for feedlot cattle. Journal of Animal Science, 80(10), 2592-2600.
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