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Dieser Inhalt wurde von Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK auf Basis wissenschaftlicher Quellen erstellt.
Milchvieh

Ketose bei Milchkühen: Ursachen, Symptome und Vorbeugung durch Ernährung

Doç. Dr. Mehmet ÇOLAK 21 Januar 2026 105 Aufrufe

Ketose ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Wochenbett bei Hochleistungsmilchkühen. Diese Situation, die durch eine negative Energiebilanz entsteht, ebnet den Weg für einen Rückgang der Milchleistung, Fortpflanzungsprobleme und andere Stoffwechselerkrankungen.


Ketose ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Wochenbett bei Hochleistungsmilchkühen. Diese Situation, die durch eine negative Energiebilanz entsteht, ebnet den Weg für einen Rückgang der Milchleistung, Fortpflanzungsprobleme und andere Stoffwechselerkrankungen. Mit der richtigen Übergangsernährung kann der Ketose weitgehend vorgebeugt werden.

1. Was ist Ketose?

1.1 Definition

Unter Ketose versteht man die übermäßige Ansammlung von Ketonkörpern (Beta-Hydroxybutyrat, Acetoacetat, Aceton) im Blut als Folge der intensiven Nutzung der Fettreserven des Körpers zur Deckung seines Energiebedarfs.

1.2 Pathophysiologie

  • Der Energiebedarf für die Milchproduktion steigt nach der Geburt dramatisch an
  • Der Futterverbrauch (Trockenmasseaufnahme) kann nicht ausreichend gesteigert werden
  • Negative Energiebilanz (NEB) auftritt
  • Mobilisiert Körperfettspeicher
  • Die Leber kann Fettsäuren nicht vollständig verstoffwechseln
  • Ketonkörper reichern sich an

1.3 Risikozeitraum

  • Erste 2–6 Wochen nach der Geburt (Höhepunkt: 2–4 Wochen)
  • Der Zeitraum, in dem die Milchleistung am höchsten ist
  • Der Zeitraum, in dem die Trockenmasseaufnahme ihr Maximum noch nicht erreicht hat

2. Arten der Ketose

2.1 Klinische Ketose (Typ I – primär)

Symptome:

  • Appetitlosigkeit (er lehnt Konzentrat zunächst ab)
  • Plötzlicher Rückgang der Milchleistung
  • schneller Gewichtsverlust
  • Acetongeruch im Atem und in der Milch
  • Verstopfung, trockener Stuhl
  • Lethargie, Depression
  • Nervöse Symptome (selten): Lecken, Kauen, Aggression

2.2 Subklinische Ketose

  • Keine offensichtlichen klinischen Anzeichen
  • Blut-BHB: 1,2–2,9 mmol/L
  • Verdeckter Rückgang der Milchleistung
  • Verminderte Fortpflanzungsleistung
  • Erhöhte Anfälligkeit für andere Krankheiten
  • Es kann bei 20–40 % der Herde beobachtet werden!

2.3 Sekundäre Ketose (Typ II)

  • Aufgrund einer anderen Erkrankung (Abomasumverlagerung, Metritis, Mastitis)
  • Jede Situation, die den Futterverbrauch reduziert
  • Die zugrunde liegende Ursache muss behandelt werden

2.4 Fettleber-Syndrom

  • Schwere NEB und übermäßige Fettmobilisierung
  • Fettansammlung in der Leber
  • Leberfunktionsstörung
  • schlechte Prognose
  • Besonders bei Kühen, die bei der Geburt übergewichtig sind

3. Risikofaktoren

3.1 Kuhfaktoren

  • Hohes Milchleistungspotenzial
  • Extremer Körperzustand bei der Geburt (BCS >3,75)
  • Ältere Kühe (3+ Laktationen)
  • Vorgeschichte von Ketose
  • Zwillingsschwangerschaft

3.2 Ernährungsfaktoren

  • Überfütterung während der Trockenperiode
  • Zu wenig Energie während der Übergangszeit
  • Geringe Trockenmasseaufnahme
  • unzureichende Ballaststoffe
  • Plötzliche Rationsänderungen
  • Raufutter von geringer Qualität

3.3 Managementfaktoren

  • Unzureichende Futterfläche
  • Sozialer Stress (Rudelhierarchie)
  • heißer Stress
  • Unzureichender Wasserzugang

4. Diagnose

4.1 Klinische Untersuchung

  • Acetongeruch (Atem, Milch)
  • Verlust der körperlichen Verfassung
  • Appetitlosigkeit

4.2 Labortests

testennormalsubklinischKlinik
Blut-BHB (mmol/L)<1.01.2-2.9≥3.0
Milch BHB (mmol/L)<0.10.1-0.2>0.2
Keton im Urinnegativ+/+++++

4.3 Herdenscannen

  • 5-14 Tage nach der Geburt. BHB-Messung an Tagen
  • Wenn mehr als 10 % der Herde positiv sind, liegt ein Herdenproblem vor
  • Früherkennung, frühes Eingreifen

5. Behandlung

5.1 Klinische Ketose-Behandlung

  • IV Dextrose: 500 ml 50 % Dextrose
  • Orales Propylenglykol: 300–500 ml, 1–2 mal täglich, 3–5 Tage
  • Kortikosteroide: Stimuliert die Gluconeogenese (mit Vorsicht anwenden)
  • Vitamin B12: Propionatstoffwechsel
  • Unterstützende Pflege: Qualitätsfutter, Wasser

5.2 Behandlung der subklinischen Ketose

  • Orales Propylenglykol: 300 ml/Tag, 3–5 Tage
  • Rationsbewertung und -korrektur
  • Behebung zugrunde liegender Probleme

6. Prävention durch Ernährung

6.1 Ernährung bei Trockenheit (letzte 60 Tage)

Frühe Trockenperiode (60-21 Tage):

  • Energie: 1,25–1,30 Mcal NEL/kg KM
  • Protein: 12–14 % HP
  • Vermeiden Sie Überfütterung
  • BCS 3,25-3,5 Ziel

Übergangszeitraum (Nahaufnahme, letzte 21 Tage):

  • Energie: 1,50-1,60 Mcal NEL/kg KM
  • Protein: 14–15 % HP
  • Maximierung der Trockenmasseaufnahme
  • Kraftfuttererhöhung zur Pansenanpassung

6.2 Ernährung nach der Geburt (frische Kuh).

ParameterZiel
Energiedichte1,65–1,75 Mcal NEL/kg km
Rohprotein%17-19
NDF%28-32
NFC%38-42
Öl5-6 % (Bypass-Fett)

6.3 Steigerung der Trockenmasseaufnahme

  • Hochwertiges, köstliches Raufutter
  • Ausreichende Futterfläche (75+ cm/Kuh)
  • Frisches Futter, häufiges Schieben
  • Sauberes, frisches Wasser (unbegrenzter Zugang)
  • Angenehme Umgebung (Heißstressmanagement)
  • Sozialen Stress reduzieren

6.4 Energiebeiträge

BeitragDosisAuswirkungen
Propylenglykol200-300 ml/TagGlukosevorläufer
Calciumpropionat100-150g/TagGlukosevorläufer
Glycerin200-400 ml/TagEnergiequelle
Fett umgehen200-400g/TagEnergiedichte

6,5 Cholin und Methionin

  • Rumänisches geschütztes Cholin: Erhöht die Fettproduktion der Leber
  • Pansengeschütztes Methionin: Für die VLDL-Synthese
  • Reduziert das Risiko einer Fettleber

6.6 Niacin (Vitamin B3)

  • Reduziert die Fettmobilisierung
  • Rumänische geschützte Form bevorzugt
  • Dosis: 6-12 g/Tag

7. Körperzustandsmanagement

7.1 Ziel BCS

ZeitraumZiel BCS
Zum Trocknen herausnehmen3.25-3.50
Geburt3.25-3.50
frühe LaktationMax. 0,5-0,75 Punkte verloren
Mitte der Laktation2.75-3.00

7.2 Überkonditionierung vermeiden

  • Vermeiden Sie eine Überfütterung in der späten Laktation
  • Energieeinschränkung in der Trockenzeit
  • Regelmäßige BCS-Follow-up

8. Herdenüberwachung

8.1 Frühwarnindikatoren

  • Weniger als erwarteter Anstieg der Milchleistung nach der Geburt
  • Hohe Abomasumverlagerungsrate
  • geringe Fortpflanzungsleistung
  • Hohe Abtragsleistung

8.2 Routine-Scannen

  • 5-14 Tage nach der Geburt. BHB-Test an Tagen
  • Probenahme von 10–15 % der Herde
  • 10 %+ Positivität = Herdenproblem

9. Wirtschaftliche Auswirkungen

  • pro Fall subklinischer Ketose 200-300 USD verloren
  • Verlust der Milchleistung
  • Rückgang der Fortpflanzungsleistung
  • Andere Krankheitsrisiken
  • Frühe Keulung

Fazit

Ketose ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch die richtige Übergangsbehandlung weitgehend vermeidbar ist.

Grundlegende Strategien:

  1. Optimaler Körperzustand bei der Geburt (BCS 3,25-3,5)
  2. Allmähliche Rationsänderung während der Übergangszeit
  3. Maximierung der Trockenmasseaufnahme
  4. Postpartale Ration mit hoher Energiedichte
  5. Energiezusätze (Propylenglykol, Bypassöl)
  6. Früherkennung durch routinemäßiges BHB-Screening
  7. Minimierung von Stressfaktoren

Bibliographie

Drackley, J. K. (1999). Biologie der Milchkühe in der Übergangszeit: Die letzte Grenze? Journal of Dairy Science, 82(11), 2259-2273.

McArt, J. A., et al. (2012). Epidemiologie der subklinischen Ketose bei Milchkühen in der frühen Laktation. Journal of Dairy Science, 95(9), 5056-5066.

Overton, T. R. & Waldron, M. R. (2004). Ernährungsmanagement von Übergangsmilchkühen: Strategien zur Optimierung der Stoffwechselgesundheit. Journal of Dairy Science, 87, E105-E119.

Tags: ketozis Milchkuh negative Energiebilanz post partum Propylenglykol Keton

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