Die kritischste Zeit des Jahres in der Kleintierhaltung letzten 6 Wochen der Schwangerschaftist. In diesem Zeitraum begangene Ernährungsfehler können zum Verlust von Lämmern/Küken, Trächtigkeitsvergiftungen und Müttersterblichkeit führen.
In diesem Ratgeber gehen wir detailliert auf die Ernährung trächtiger Schafe und Ziegen in den letzten 6 Wochen ein. Am Ende des Artikels:
- Ursachen und Vorbeugung einer Schwangerschaftstoxämie
- Erhöhter Energiebedarf bei Zwillings- und Drillingsschwangerschaften
- Wichtige Mineralstoff- und Vitaminpräparate
- Praktisches Fütterungsprogramm
Du wirst es gelernt haben.
1. Warum sind die letzten 6 Wochen so wichtig?
1.1 Wachstumsmuster des Fötus
Die Tragzeit bei Schafen und Ziegen beträgt ca 150 Tage(145-155 Tage). Gewichtszunahme des Fötus 70-80 % in den letzten 6 Wochen stattfindet.
| Schwangerschaftszeitraum | Gewicht des Fötus | Tägliches Einkommen |
|---|---|---|
| 0-90 Tage | ~500g | 5-6g/Tag |
| 90-120 Tage | ~1,5 kg | 30-35g/Tag |
| 120–150 Tage (letzte 6 Wochen) | 3,5–5 kg | 80-120g/Tag |
1.2 Energielückenproblem
In den letzten 6 Wochen gab es zwei umgekehrte Prozesse:
- Der Energiebedarf steigt: Fötales Wachstum, Brustentwicklung, Kolostrumproduktion
- Der Futterverbrauch sinkt: Die wachsende Gebärmutter komprimiert den Pansen
Dieses Ungleichgewicht negative Energiebilanzwas und möglicherweise SchwangerschaftstoxämieWozu führt es?
2. Schwangerschaftstoxämie/Ketose
2.1 Was ist das und warum tritt es auf?
Schwangerschaftstoxämie, beobachtet in den letzten 2–3 Wochen der Schwangerschaft, eine durch Energiemangel verursachte Stoffwechselerkrankungist. Um das Energiedefizit auszugleichen, baut der Körper Fettreserven ab, wodurch sich Ketonkörper (Acetoacetat, Beta-Hydroxybutyrat) im Blut ansammeln.
2.2 Risikofaktoren
| Risikofaktor | Beschreibung |
|---|---|
| Mehrlingsschwangerschaft | Bei Tieren, die Zwillinge oder Drillinge tragen, ist das Risiko 5–10 Mal höher |
| extreme Fitness | Fette Tiere sind anfälliger (hepatische Lipidose) |
| schlechter Zustand | Die Energiereserven reichen nicht aus |
| Unzureichendes/schlechtes Futter | niedrige Energieration |
| Stress | Transport, Wetterwechsel, Herdenwechsel |
| Zahnprobleme | Bei älteren Tieren nimmt der Futterverbrauch ab |
2.3 Symptome
- Frühzeit: Appetitlosigkeit, Trennung von der Herde, Stagnation
- Mittlere Periode: Schwierigkeiten beim Gehen, Zähneknirschen, Blindheitserscheinungen
- Späterer Zeitraum: Krankenhausaufenthalt, Koma, Tod (80–90 % Tod ohne Behandlung)
- Charakteristischer Befund: Geruch nach Aceton (Frucht) im Atem
2.4 Präventionsstrategien
- Schwangerschaftserkennung mit Ultraschall: Unterscheiden Sie zwischen Einlingen/Zwillingen/Drillingen und teilen Sie sie in Gruppen auf
- Zustandsbewertung: Am 90. Tag der Schwangerschaft sollte VKS 3,0-3,5 betragen
- Allmählicher Energieanstieg: Steigern Sie die Energie in den letzten 6 Wochen um 50–100 %
- Qualitätsraufutter: Wählen Sie Raufutter mit hoher Verdaulichkeit
- Stressminimierung: Führen Sie in diesem Zeitraum keine Eingriffe wie Transport oder Impfung durch.
3. Energie- und Proteinbedarf
3.1 Energiebedarf (ME – metabolisierbare Energie)
| Zeitraum | Einzelschwangerschaft | Zwillingsschwangerschaft | Drillingsschwangerschaft |
|---|---|---|---|
| Schwangerschaft 90-120 Tage | 10-11 MJ ME/Tag | 11-12 MJ ME/Tag | 12-13 MJ ME/Tag |
| Schwangerschaft 120-135 Tage | 12-13MJ ME/Tag | 14-16MJ ME/Tag | 17-19 MJ ME/Tag |
| Schwangerschaft 135-150 Tage | 14-15MJ ME/Tag | 17-19 MJ ME/Tag | 20-23MJ ME/Tag |
Werte für Schafe mit einem Lebendgewicht von 60–70 kg. Ähnliches gilt für Ziegen, je nach Lebendgewicht anpassen.
3.2 Proteinbedarf
| Zeitraum | HP-Bedarf (g/Tag) | Ration HP (%) |
|---|---|---|
| Mitte der Schwangerschaft (60–90 Tage) | 90-100 | %10-11 |
| Ende der Schwangerschaft (120-150 Tage) | 140-180 | %13-15 |
| Ende der Zwillings-/Drillingsschwangerschaft | 180-220 | %15-17 |
3.3 Trockenmasseverbrauch (DMT)
Die SPG-Kapazität nimmt in den letzten 6 Wochen ab:
| Schwangerschaftsstatus | KMT (kg/Tag) | KMT (% Lebendgewicht) |
|---|---|---|
| nicht schwanger | 1.8-2.2 | %3.0-3.5 |
| Einlingsschwangerschaft (letzte 6 Wochen) | 1.5-1.8 | %2.5-3.0 |
| Zwillingsschwangerschaft (letzte 6 Wochen) | 1.3-1.6 | %2.0-2.5 |
| Drillingsschwangerschaft (letzte 6 Wochen) | 1.1-1.4 | %1.8-2.2 |
4. Mineralstoff- und Vitaminbedarf
4.1 Kritische Mineralien
| mineralisch | Anforderung | Folge eines Mangels |
|---|---|---|
| Kalzium (Ca) | 8-10g/Tag | Milchfieber (Hypokalzämie), Schwierigkeiten bei der Wehentätigkeit |
| Phosphor (P) | 4-5g/Tag | Knochenschwäche, Appetitlosigkeit |
| Magnesium (Mg) | 2-3g/Tag | Wiesentetanie, nervöse Symptome |
| Selen (Se) | 0,2-0,3 mg/kg TS | Weiße Muskelkrankheit (bei Lämmern) |
| Jod (I) | 0,5-0,8 mg/kg TS | Kropf, Auszehrung/Totgeburt |
| Kobalt (Co) | 0,1-0,2 mg/kg TM | B12-Mangel, Gewichtsverlust |
4.2 Kritische Vitamine
| Vitamin | Anforderung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Vitamin A | 3000-5000 IE/Tag | Entwicklung des Fötus, Immunität, Kolostrumqualität |
| Vitamin D | 500-1000 IE/Tag | Kalziumaufnahme, Knochenentwicklung |
| Vitamin E | 30-50 IE/Tag | Muskelgesundheit mit Selen |
5. Praktisches Fütterungsprogramm
5.1 Rationsprobe der letzten 6 Wochen (trächtiges Zwillingsschaf, 65 kg)
| Köder | Menge (kg/Tag) | KM (kg) |
|---|---|---|
| Getrocknetes Kleegras (gute Qualität) | 0.8 | 0.70 |
| Gerstenstroh | 0.3 | 0.27 |
| Gerste (geschrotet) | 0.4 | 0.35 |
| Mais (geknackt) | 0.3 | 0.26 |
| Sojabohnenmehl | 0.15 | 0.13 |
| Mineral-Vitamin-Vormischung | 0.02 | 0.02 |
| GESAMT | ~2,0 kg | ~1,7 kg km |
Nährwerte dieser Ration:
- ME: ~17-18 MJ/Tag
- HP: ~14-15 %
- Konzentrationsgrad: ~45 %
5.2 Wöchentliches Konzentratsteigerungsprogramm
| Zeit zur Geburt | Konzentrat (g/Tag) | erhöhen |
|---|---|---|
| 6 Wochen | 300-400 | Zuhause |
| 5 Wochen | 400-500 | +100g |
| 4 Wochen | 500-600 | +100g |
| 3 Wochen | 600-700 | +100g |
| 2 Wochen | 700-800 | +100g |
| 1 Woche | 800-900 | +100g (max.) |
5.3 Gruppierungsstrategie
Teilen Sie die Herde anhand der Ultraschallergebnisse in Gruppen ein:
- Gruppe 1 – Singleton-schwangere Frauen: Standard-Schwangerschaftsration
- Gruppe 2 – schwangere Zwillingsfrauen: 30–40 % konzentrierter
- Gruppe 3 – Schwangere mit Drillingen: 50–70 % konzentrierteres, gezielteres Tracking
- Gruppe 4 – Personen in schlechter Verfassung: Zusätzlicher Energieschub
6. Präpostnataler Übergang
6.1 1 Woche vor der Geburt
- Bringen Sie sie in die Geburtsabteilungen (sauber, trocken, luftig)
- Konzentratmenge konstant halten (nicht erhöhen)
- Stellen Sie sicher, dass immer sauberes Wasser zur Verfügung steht
- Beobachten Sie 2-3 mal täglich
6.2 Erste Woche nach der Geburt
- Der Energiebedarf für die Kolostrumproduktion bleibt bestehen
- Erhöhen Sie die Konzentratmenge schrittweise
- Auf Laktationsration umstellen
- Vorsicht bei Kalziumpräparaten (Gefahr von Milchfieber)
7. Häufige Fehler
| Fehler | Fazit | Tatsächlich |
|---|---|---|
| Alle schwangeren Frauen gleich ernähren | Singles werden dick, Zwillinge werden dünn | Gruppe mit Ultraschall |
| Futtereinschränkung in den letzten Wochen | Schwangerschaftstoxämie | Steigern Sie die Energie schrittweise |
| Plötzlicher Anstieg der Konzentration | Pansenazidose | Maximal pro Woche. 100-150g erhöhen |
| Keine Mineralstoffpräparate einnehmen | Milchfieber, weiße Muskelkrankheit | Ergänzung Se, Ca, Mg |
| Fütterung von Raufutter schlechter Qualität | Geringer Verbrauch, Energiedefizit | Stellen Sie hochwertigen Klee/Schwingel bereit |
8. Wirtschaftliche Bewertung
Wirtschaftliche Vorteile einer richtigen Schwangerschaftsernährung:
| Parameter | Unterernährung | Gute Ernährung | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Sterblichkeitsrate von Lämmern/Zicklein | %15-25 | %5-8 | 10–17 % Rückgang |
| Geburtsgewicht | 3,0–3,5 kg | 4,0–4,5 kg | +1kg |
| Müttersterblichkeitsrate | %3-5 | %0.5-1 | 2-4 % Rückgang |
| Milchleistung (erste 8 Wochen) | niedrig | normal | Schnellere Entwicklung der Lämmer |
9. Fazit
Die letzten 6 Schwangerschaftswochen bei Schafen und Ziegen sind die kritischste Zeit des ganzen Jahres:
- Schwangerschaft mit Ultraschall erkennen - Die Unterscheidung zwischen Einlingen/Zwillingen/Drillingen ist wichtig
- Steigern Sie die Energie schrittweise - Verhindern Sie eine Schwangerschaftsvergiftung
- Nehmen Sie Mineralstoff-Vitaminpräparate ein - Se, Ca, Vitamin E sind entscheidend
- Stellen Sie hochwertiges Raufutter bereit - Verdaulichkeit ist wichtig
- Stressfaktoren minimieren - Transport und Impfung sind in diesem Zeitraum nicht möglich.
→ Berechnen Sie die Schafration → Ziegenration berechnen
Bibliographie
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